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move plus
Null Bock, kein Sinn, keine Zeit. Die Gründe für Schulverweigerer sind sehr verschieden. Einige sind bereits in der Grundschule verhaltensauffällig geworden, andere halten dem Leistungsdruck einfach nicht stand. Aus den Fehlzeiten resultieren weitere Lernschwierigkeiten, und am Ende potenzieren sich die Probleme. Wenn Tadel, Schulverweise und Konferenzen nicht mehr wirken, bekommen schulmüde Jugendliche bei "move plus" eine Chance.
Die Kooperation des Jugendhilfeträgers Zukunftsbau und des Schulamtes Mitte wurde 2005 ins Leben gerufen und fußt auf Erfahrungen des Schulverweigererprojekts "move". Während "move" auf den externen Schulabschluss vorbereitet und sich an Jugendliche wendet, die zwei Jahre nicht mehr zur Schule gegangen sind, setzt "move plus" frühzeitig ein. In Zusammenarbeit mit der Oberschule am Brunnenplatz, der Wilhelm-Busch- und der Hans-Bredow-Schule stehen derzeit zehn Plätze für Zwölf- bis Fünfzehnjährige zur Verfügung, bei denen ein Schulabbruch noch abgewendet werden kann.
Das Schulschwänzen sieht Birgit Knispel jedoch nur als Spitze des Eisbergs. Manche seien wegen krimineller Handlungen oder Drogenkonsums schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten und haben den ersten Schulwechsel bereits hinter sich, erzählt die Sozialpädagogin. Im Hintergrund stehen oft schwierige Familienverhältnisse, soziale und emotionale Verwahrlosung. Eltern, die ihre Kinder aufgegeben haben oder die "Großen" als Babysitter für die kleinen Geschwister einsetzen. So setzt die Arbeit nicht nur bei den Schülern, sondern auch beim direkten Kontakt zu den Eltern an.
In den "move-plus"-eigenen Räumen wird in Kleinstklassen mit maximal fünf Schülern unterrichtet. Dreimal wöchentlich gibt es jeweils eine Stunde Mathematik, Deutsch und Englisch. An den restlichen zwei Tagen und an den Nachmittagen werden Sport-, Kunst- oder Ernährungsprojekte angeboten oder auch schon mal eine Rallye zur Stadterkundung. Das Lernen findet praxisbezogen und individuell statt. Mathe wird beim Bau eines Holzregals gelernt, Deutsch anhand von Exkursionen oder konkreten Alltagserfahrungen: Wer gerne schläft, schreibt etwas zum Thema Schlaf. Schüler, die zu unkonzentriert sind, können eine Pause machen.
Die pädagogische Arbeit erfordert von dem vierköpfigen Betreuerteam aus Sozialpädagogen, Erziehern und Lehrern ein hohes Maß an Geduld und Flexibilität. "Der Unterricht hängt sehr von der Tagesform ab. Wenn die Vorbereitungen nicht angenommen werden, muss man Alternativen anbieten - Spiele oder Lernprogramme am Computer", sagt Daniel von der Gönna. Der Erzieher und Diakon unterrichtet bei "move plus" auch Englisch. Denn die Aufgabenbereiche des Teams sind fließend. Die Lehrer sind nicht nur für Deutsch und Mathematik zuständig, sondern übernehmen ebenso das gemeinsame Kochen und sind bei Sport- oder Aktionstagen dabei.
Das eigentliche Ziel ist die Reintegration in die 9. Klasse. Aber die Leistungsdefizite sind groß und der eigentliche Unterrichtsstoff wird vielfach von Konflikten innerhalb der Gruppen und deren Lösung überlagert. So sind es vor allem soziale Kompetenz, Vertrauen, Selbständigkeit und Eigendisziplin, die die Jugendlichen wieder lernen müssen.
"Einer unserer Teilnehmer galt als >unbeschulbar<. Selbst nachdem er bei uns erfolgreich war, lehnte die Leitung der alten Schule seine Bewerbung für das "Produktive Lernen" ab. Er ist dann aus eigenem Antrieb noch einmal hingegangen, und konnte überzeugend darstellen, dass er sich geändert hat", so Birgit Knispel. Ein Berufsziel hat er bei "move plus" auch gefunden. Denn neben dem Frühstück, das von den Jugendlichen mit vorbereitet wird, ist ein wichtiger Bestandteil des Tagesablaufs das gemeinsame Mittagessen. Im Rahmen des Arbeitslehre-Unterrichts kocht jeweils ein Schüler jeden Mittag mit einem der Betreuer. Der "Unbeschulbare" hat dabei seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckt, ein Praktikum in einer Küche gemacht und will nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zum Koch absolvieren.
Von bislang 17 Teilnehmern haben vier die Probezeit nicht bestanden, drei weiteren musste aufgrund von Gewalt oder erneutem Schwänzen "gekündigt" werden. Insgesamt konnte bislang jedoch sieben Jungen und Mädchen noch einmal eine Perspektive vermittelt werden. Sie wechselten in eine berufsorientierende Maßnahme, gehen wieder zur Schule oder bereiten sich bei "move" auf den externen Schulabschluss vor.
Move plus, Uferstraße 14, 13357 Berlin
Tel.: 322 99 164







