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Mittwoch, 27.03.2013

Beruf und Arbeit für junge Weddinger

Der Leiter des SOS-Berufsausbildungszentrum Berlin, Burkhard Schäfer, begrüßt den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, in den ehemaligen OSRAM-HÖFEN in der Oudenarder Straße

Burkhard Schäfer, seit 17 Jahren Leiter des SOS Berufsausbildungszentrum Berlin in den ehemaligen Osram-Höfen, kennt sich aus mit jungen Menschen im Wedding. Der gelernte Werkzeugmacher, Kaufmann und Diplompädagoge betreut mit 62 Fachleuten der beruflichen Bildung und Sozialpädagogik junge SOS-Azubis, die in zehn Ausbildungsgängen Berufe in den Bereichen Gastgewerbe, Handwerk, Medien und Verwaltung erlernen. Mit welchen Problemen haben diese jungen Leute zu kämpfen und welche Stärken bringen sie für eine berufliche Laufbahn mit?
Als häufige Schwächen nennt Burkhard Schäfer die fehlende Unterstützung durch das Elternhaus und  Schulabbrüche. Dadurch sind keine Grundlagen für eine berufliche Ausbildung vorhanden. Auch mangelt es an persönlichen Voraussetzungen, sich auf die notwendige Disziplin und Ordnung in betrieblichen Abläufen einzustellen. Stark sind junge Menschen hingegen, wenn sie ihre Power, Energie und neue Ideen in den betrieblichen Alltag einbringen. Bei Weddinger Jugendlichen ist zusätzlich die Sprachkompetenz durch den Migrationshintergrund ein großer Vorteil. Dieses Potenzial wird von den Arbeitgebern immer mehr erkannt und geschätzt.
Ohne Schulabschluss läuft im Beruf nur wenig. Doch den Hauptschulabschluss oder die Mittlere Reife kann man nachholen. Entsprechende Programme für berufsvorbereitende Maßnahmen werden von der Bundesagentur für Arbeit und dem Jobcenter finanziert. Hierbei wird auch auf nachträgliche Schulabschlüsse vorbereitet. Manche Jugendliche tun sich schwer mit Bildung. Bei einem zweiten Anlauf kommen einige mit dem Lernen besser zurecht, andere erkennen mehr ihre Stärken in der praktischen Arbeit als in der Theorie. Generell rät Berufsausbildungsexperte Burkhard Schäfer zu realistischer Selbsteinschätzung und Konzentration auf die nächstliegenden Schritte und greifbaren Ziele. Aus der Erfahrung im SOS-Berufsausbildungszentrum kann er auch von Jugendlichen berichten, die am Anfang Schwierigkeiten mit dem Lernen in der Ausbildung hatten, aber nach einiger Zeit immer stärker wurden und sich eine solide berufliche Karriere aufgebaut haben.
Eine berufliche Ausbildung ist in Deutschland mit zwei bis drei Jahren Lehrzeit ziemlich anspruchsvoll. Auf diesen Zeitrahmen müssen sich Jugendlich einlassen und durchhalten. In vielen Berufen sind die Anforderungen gestiegen. Zum Beispiel bereitet ein Koch nicht nur Speisen zu, sondern muss auch noch Kenntnisse über Lebensmittel und Ernährung haben, die Hygiene beachten oder Essen für große Veranstaltungen planen und organisieren können. In Pflegeberufen ist  medizinisches Wissen besonders wichtig. Und durch die internationale Zusammensetzung der zu Betreuenden sind zunehmend auch kulturelle und fremdsprachliche Kenntnisse gefordert. Im Trend der beliebtesten Berufe liegen die kaufmännische Branche, Kfz-Mechatroniker, Friseure und die Gastronomie, doch die Palette der beruflichen Ausbildungsgänge ist wesentlich umfangreicher und bietet vielfältige Chancen, einen Arbeitsplatz in weniger bekannten, aber interessanten Berufen zu finden.

 

Arbeitsexperte Burkhard Schäfer gibt Ratschläge für den Berufseinstieg:


Noch keine Berufsidee?

Wer für sich einen Wunschberuf herausfinden möchte, sollte berufsvorbereitende Maßnahmen von bis zu einem Jahr durchlaufen, um sich in verschiedenen Berufen auszuprobieren. Das Jobcenter und die Arbeitsagentur fördern diese Suchphase.
Welche Berufe gibt es überhaupt? Über 300 Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland. Eine große Auswahl für unterschiedlichste Interessen, die man in den Datenbänken des Berufsinformationszentrums (BIZ) in der Friedrichstraße 39 recherchieren kann. Die Informationen sind sehr ausführlich und durch Medien anschaulich dargestellt. In der Berufsberatung kann man alles über die einzelnen Berufe erfahren und bei Berufsinformationsbörsen kann man Fachleute aus den einzelnen Berufsfeldern und Ausbildungseinrichtungen kontaktieren.  


Nehmen Unternehmen nur Bewerber mit guten Schulabschlüssen?

Nicht nur, denn die Wirtschaft sucht für viele Tätigkeiten die verschiedensten Arbeitskräfte. Aber Qualifikation ist immer gefordert. Für Lernschwache existiert das Förderprogramm „Ausbildungsbegleitende Hilfen“ (ABH), das jeder Arbeitgeber in Anspruch nehmen kann. Es werden individuelle Einarbeitungshilfen, sozialpädagogische Unterstützung und Lernhilfen angeboten, damit die jungen Leute den Lernstoff in der Berufsschule schaffen. Informationen zu diesen Fördermaßnahmen bis zum Alter von 25 Jahren sind beim Jobcenter oder der Arbeitsagentur erhältlich. Und es gibt auch andere Wege, wie sie z. B. die Berliner Stadtreinigung bietet, indem sie Bewerber ohne Schulabschluss aufnimmt und sie innerbetrieblich zu Straßenreinigern und Kraftfahrern ausbildet.


Jugendberatungshäuser im Bezirk Berlin Mitte.

Eine wichtige Adresse für ratsuchende Jugendliche sind die vier Jugendberatungshäuser (sos.mitte, compass.mitte, mentos.mitte), die für junge Menschen ab 14 Jahren in allen Fragen der Berufsausbildung persönlich und unbürokratisch weiterhelfen – eine besondere Leistung der Jugendhilfe in Berlin Mitte. Durch die Vernetzung mit dem Jobcenter sind konkrete Angebote von Ausbildungsplätzen möglich. Infos z. B. unter www.compass-mitte.de


Warum ist eine Berufsausbildung wichtig?

Berufliche Qualifikation ist immer die Basis für ein Berufsleben. Nur wer einen Beruf erlernt hat, kann sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten und eine Arbeitsstelle finden. Und wer einen festen Arbeitsplatz hat, sichert ein gutes Einkommen und kann sich seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren.

Ewald Schürmann