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Basteln mit Natur im Himmelbeet

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Basteln mit Natur im Himmelbeet

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Weihnachtsessen im Tageszentrum m32

Sonntag, 24. Dezember 2017 , 14:00 Uhr

Heiligabend - Geselliges Beisammensein im Tageszentrum m32

Mittwoch, 15.06.2016

Beweg Dich!

Auf dem PankeParcours des Projektes „Auf die Plätze, fertig, los!“

Betrieb auf der Pankebrücke
Beinstreckübung à la famille
So sehen die Übungstafeln im Parcours aus
Versteckter Blick auf die Infozone mit Jutta Ziegler und Ute Mai
Jung und Alt machen vor, was sie noch gern hätten
Auch Nachbar Bernd Schneider schlägt eine Dehnübung vor
Die Verleihkiste für Sport- und Bewegungsspiele im Panke Club
Hände Hoch! vor der Wiesenburg
Kein Stress in den Pausen: Ute Mai
Was er sich wohl dabei denkt?

Der Schriftsteller Ilja Troganow hat ein Buch geschrieben, es ist gerade erschienen. „Meine Olympiade“ heißt es, und es handelt von ihm selbst. Troganow bezeichnet sich in seinem früheren Leben als einen Couchhocker, der Sport am liebsten vorm Fernseher genießt. Und dann beschließt er, für sich selbst die olympischen Disziplinen zu erobern – und zwar alle. Er steigt mit dem Training ein und entdeckt Disziplin für Disziplin das olympische Repertoire mit dem Ziel, überall wenigstens die Hälfte des Wertes zu erreichen, der für den letzten Olympiasieg reichte. Freilich, das Scheitern ist vorprogrammiert. Aber was er lernt, ist die Freude an der Bewegung, daran, seine Trägheit zu überwinden und seine Grenzen auszuweiten.

Bewegung macht Spaß, das wissen Millionen Freizeitsportler in Deutschland, und das soll auch den Menschen in unserem Kiez spielerisch vermittelt werden. „Auf die Plätze, fertig, los! Bewegen.“ heißt das Projekt, das seit 2014 im Pankekiez aktiv ist und das Sportjahr 2016 mit einer Bewegungsaktion am 27. Mai offiziell eröffnet. Schon im Spätherbst 2015 ist an der Panke zwischen Pank- und Gerichtstraße der PankeParcours eingeweiht worden, leider schon zu sehr in der dunklen Jahreszeit, als dass dies nachhaltig bekannt wurde. Deshalb beschloss das Team von BAUFACHFRAU Berlin e.V., dem Projektträger, nun zur Feier des Tages diesen Parcours mit einer Aktion zu bespielen. Begleitend dazu standen die Projektverantwortlichen Ute Mai und Jutta Ziegler im Panke Club für Gespräche zur Verfügung und dafür, Anregungen für eine Erweiterung des Parcours entgegen zu nehmen. Denn 2016 soll das Jahr des Parcours’ werden – mit fünf bis acht neuen Stationen entlang der Panke, nun zwischen Pankstraße und Brunnenplatz. Wie genau diese gestaltet werden entscheidet sich in der Konzeptionsphase, die heute beginnt und in einen Ideenspaziergang im Juli mündet. Als Jahresabschluss 2016 wird es im Herbst ein Panke-Bewegungs-Festival geben.

Nun, seien wir ehrlich: Es hätten mehr Nachbarinnen und Nachbarn zu der Aktion stoßen können. Nach einem großen Schwung Jugendlicher, die sich euphorisch daran machten, die Stationen abzugehen, kamen mehr oder weniger vereinzelt Familien, Paare und kleinere Gruppen. Dafür hatten die Betreuerinnen an den Stationen und im Panke Club mehr Zeit für intensivere Gespräche. Und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern war gemein, dass sie mit Spaß und Elan dabei waren. Auch hier gilt, dass erst die regelmäßige Nutzung des Parcours die Aufmerksamkeit dafür erhöht. Und da die Stationen zunächst so angelegt sind, dass keine Hilfsmittel notwendig sind, besteht auch die Möglichkeit, die Tafeln schlichtweg zu übersehen. Die Resonanz der Teilnehmer ist an diesem Tag positiv. Bernd Schneider, der hier im Kiez wohnt, sagt: „Ich finde es gut, wenn der Freiraum so gestaltet wird. Ich kenne ähnliches aus Britz, dort wurde sehr viel Geld eingesetzt. Die Geräte werden dort angenommen, aber zum Teil vom falschen Publikum. Hier an der Panke muss man mit Eigeninitiative ran, aber das ist ja vielleicht nicht schlecht. Mir jedenfalls gefällt es.“

Was ist nun eigentlich der PankeParcours? Entlang der Panke wurden im letzten Jahr Tafeln errichtet, die dazu einladen, sich sportlich zu betätigen. Und zwar so, dass wirklich alle daran teilnehmen können – vom Kleinkind bis zur Greisin. Es sind einfache Bewegungs- und Dehnübungen, aber sie sollen das Gefühl für den eigenen Körper befördern und den Spaß an sportlicher Betätigung wecken. Ute Mai sagt auf die Frage, wie der bestehende Parcours angenommen wird: „Unsere Gäste sind im Moment vor allem Kinder und ältere Menschen. Schüler der Herbert-Hoover-Schule, mit denen wir die Stationen abgelaufen sind, fanden die Angebote noch nicht spannend genug. Deshalb wollen wir in diesem Jahr nachlegen und suchen heute nach Ideen für die Ausgestaltung der Stationen.“ Ideen wie mobiles Minigolfen, mobile Parcours zum Klettern und Biken, Niedrigseilgärten und Bewegungsspiele sind bereits in der Schublade und könnten den Thrill für die Kids erhöhen. Allerdings müssen sie noch auf ihre Realisierbarkeit überprüft werden. Ein wichtiges Thema dabei sind natürlich Sicherheit und Vandalismus. So müssen die Projektträger prüfen, wie sie das Verletzungsrisiko minimieren können und inwieweit ihre Einrichtungen mutwilliger Falschnutzung trotzen. An den bisherigen Stationen ist es zum Beispiel regelmäßig notwendig, Aufkleber und Tags von den Tafeln zu entfernen, die wichtige Informationen verdecken. Auch die neuen Stationen sollen dem bewährten Prinzip folgen: mit wenigen Mitteln Bewegungsmöglichkeiten etablieren, die gemeinsam gebaut werden.

Denn dies ist ein durchgängiges Element bei allen Vorhaben der Baufachfrauen, dass die Geräte und Accessoires an den Stationen gemeinsam mit Bürgern des Kiezes in Bauwerkstätten entstehen. Das nötige Knowhow dazu bringen die Projektträger mit. 2014 gab es einige Bauwerkstätten im inzwischen geschlossenen Stattbad, bei denen Spiele, Geräte und Aufbewahrungsmöglichkeiten für die Verleihstationen entstanden. Diese Verleihstationen sind ein weiteres „Standbein“ des Projektes, an denen viele kreative Spielmöglichkeiten für die Bewohner des Kiezes kostenlos zur Verfügung stehen. So unter anderem im himmelbeet, DRK Jugendladen und PankeClub, wo riesige Kisten darauf harren, Kurzweiligkeit in den Kiez zu tragen.

Auch in den Folgejahren kann man auf die Aktionen des Projekts gespannt bleiben. 2017 wird das Jahr der Höfe und Plätze im Kiez. Es gibt viele unentdeckte Innenhöfe und kleine Plätze hier, die durch eine sportliche Nutzung eine eklatante Aufwertung erfahren würden. Wie immer gehen die BAUFACHFRAUen hier mit alternativem Blickwinkel vor. So wollen sie die vorhandenen Dinge nutzen und einsetzen – etwa Fahrradständer, Laternenpfähle und Pflasterung. Ziel ist, Bewegungsinseln entstehen zu lassen, die noch näher am Alltagserleben der Menschen sind. Und 2018 soll das Thema Verbindungs- und Alltagswege die Projektarbeit bestimmen. Viele Menschen bewegen sich im Kiez auf immer gleichen Wegen, zur Schule, zur Arbeit oder zu Freunden und Freizeiteinrichtungen. Wenn man auf diesen Wegen kleine Anreize zur Bewegung schafft, so das Kalkül der Projektträger, dann können die Menschen im Kiez alle möglichen Bewegungsformen noch mehr zu einem Teil ihres Alltags werden lassen.

Nun, bis dahin fließt noch einiges Wasser die Panke runter. Dass aber die BAUFACHFRAUen gute Ideen haben, wird nicht nur hier im Kiez registriert. So ist „Auf die Plätze, fertig, los! Bewegen.“ als eines von drei Projekten aus Berlin für den Preis der Sozialen Stadt 2016 nominiert, der bundesweit ausgeschrieben ist. Ob dies klappt, erfahren sie am 22. Juni bei einer Festveranstaltung mit Preisverleihung im Radialsystem. Wir und hoffentlich der ganze Pankekiez drücken ihnen die Daumen!

Nach all den Erfahrungen und Berichten sollte nun jeder wissen, dass Bewegung wichtig für Körper, Geist und Seele ist. Auch Ilja Troganow steht dafür als Zeuge zur Verfügung, wenn auch mit einer Geschichte des Scheiterns, jedenfalls teilweise. Aber wie sagt das olympische Manifest so schön: Dabei sein ist alles. Keiner erwartet am PankeParcours einen zukünftigen Olympiasieger zu treffen. Aber Menschen, die körperlich und geistig beweglich sind, das ist doch auch schön.

Fotos und Text: Johannes Hayner