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Freitag, 18.07.2014

Das Monster vom Nettelbeckplatz

Die Aktion in Bildern

Am Bag-Free-Day wirkt der Platz wie leer gefegt (wortwörtlich)

Monsteralarm mitten im Wedding, Epizentrum Nettelbeckplatz! Panisch suchen Kinder kreischend das Weite. Doch halt! Irgendetwas stimmt hier nicht. Es sind nicht die Kinder die flüchten – sondern das Monster. Merkwürdig …

Donnerstag, 3. Juli 2014. Es ist internationaler Plastic-Bag-Free-Day. Verschiedenste Umweltorganisationen haben dazu aufgerufen, an diesem Tag besonders darauf zu achten, keine Plastiktüten zu verwenden und auf die Folgen der extensiven Nutzung dieser Verpackungsart aufmerksam zu machen. Auch im Wedding ist eine gemeinsame Aktion von panke.info, den Weddingwandlern, der Initiative „Mehrwege im Klimaschutz“ und rePETbag am Start. Die Idee für die Aktion entstand bei der Zukunftswerkstatt im Panke Club am 4. Juni. In einem gemeinsamen Brainstorming wurden die Ideen entwickelt. Höchste Priorität: Den eingeladenen Kindern soll die Aktion natürlich auch Freude machen. Also Monster. Also Spaß.

Jens Bergner aus dem rePETbag-Team ist heute dabei. rePETbag ist ein Startup, das aus alten PET-Flaschen praktische und langlebige Taschen anfertigt. Slogan: Einweg kann einpacken! Witzig. Jens sieht heute nicht aus wie alle, nein. Er ist über und über mit Plastiktüten behängt, Plastiktüten, die das Team in Berliner Straßen eingesammelt hat. Jens ist das Monster! Und jede Plastiktüte, die es bekommt, lässt das Monster jubeln. Das Motto für den Tag ist aber: Lass’ das Plastiktüten-Monster hungern! Und deshalb jagen Kindergartenkinder der Paradiesvögel-Kita das Monster über den Platz, buhen es aus und sammeln ihm weggeworfene Plastiktüten vor der Nase weg. Logisch, dass das Monster das nur halb so lustig findet wie die Kinder. Wobei, Jens ist ganz nett und wenn grad keine Kinder zuschauen, sieht man, dass ihm die Sache viel Spaß macht.

Das ganze klingt jetzt wie ne drollige Kiez-Aktion die ganz witzig ist, aber es ist natürlich ernst. Die früher hoch gelobte „Plaste“ ist längst zu einem globalen Problem geworden. Allein in Deutschland werden Jahr für Jahr Milliarden Plastiktüten verbraucht. Die Natur, die Menschen, aber vor allem die Tiere sind die Leid tragenden, fressen den Müll und gehen daran zu Grunde. Plastik ist sehr umweltschädlich und biologisch extrem schwer abbaubar.

Wie schwer, kann man an der nächsten Attraktion erfahren: Tombola mit Glücksrad. Drei Fragen gilt es richtig zu beantworten, und dann gibt es eine Einzelstück-Stofftasche von „Mehrwege im Klimaschutz“. Die Fragen sind zum Teil richtig hart. Wie lange braucht zum Beispiel eine Plastiktüte, um vollständig zu verrotten? 15 Jahre, 85 Jahre oder bis zu 500 Jahre? Antwort: Bis zu 500 Jahre. Wenn also Luther nach dem Thesenanschlag zu Wittenberg 1517 die Plastiktüte, in der er sein Butterbrot mitgebracht hat, in die Ecke gepfeffert hätte, wäre diese heute erst vollständig abgebaut. Eine Tüte. Aber jeden Tag neue, Milliarden? Unvorstellbar. Deshalb habe ich die Frage auch falsch beantwortet (85 Jahre), bekomme aber weil ich traurig gucke (die Taschen sind schön) von Magdalena Adamczyk-Lewoczko, die den Stand betreut, noch eine Bonusfrage. Und schaffe die Tasche! Da die Taschen-Aktion von „Mehrwege im Umweltschutz“ sich an migrantische Einzelhändler richtet, steht auf meiner Tasche nun „Pomysl o mnie!“. Das ist polnisch und heißt „Denk an mich“, denn mitnehmen sollte man die Tasche, wenn man seine Einkäufe ohne Plastiktüte nach Hause bekommen will. Magdalena erzählt, dass die Teilnehmer bei dem Quiz schon etwas lernen sollen und trotzdem Spaß dabei ist.

Ja, und dann gab es noch Möglichkeiten selbst kreativ zu werden. Eigene Stofftaschen zu bemalen, zu benähen oder zu besprühen unter Anleitung einer Modedesignerin. Oder mit Kreide den Boden des Nettelbeckplatzes verschönern. Oder beim Aufräumen zu helfen: So sauber präsentiert sich der Platz sonst nicht.

Viel wurde also geboten an diesem sommerlichen Nachmittag und der Erfolg lässt sich sehen. Mehr als 100 Passanten beteiligten sich auf verschiedene Arten, hinzu kamen Kinder aus zwei Kinderläden. Selbst die rbb-Abendschau war mit einem Kamerateam vor Ort. Alexandra Jaik von Weddingwandler und Thorsten Haas von panke.info sind sehr zufrieden mit der Aktion. Es lohnt sich also, das Thema weiter zu verfolgen. Dies haben die Veranstalter auch vor: Das Team von inzwischen neun Leuten möchte die Aktion gern wiederholen. Dabei wünschen wir ihnen viel Erfolg und dem Monster einen mächtigen Hunger!

Christian Muangala/Johannes Hayner