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Donnerstag, 22.03.2012

Die Gesundheitszentrale - Zu Besuch in der Kolberger Apotheke

Die Kolberger Apotheke in der Gerichtstraße 18 (Wer genau hinschaut, entdeckt das Quartier2-Plakat zur Ausgabe "Geld")
Mit Rat und Tat stehen die Apothekerinnen zur Seite - hier fühlen sich Kunden gut aufgehoben
Selma Dur und Michaela Meister - die freundlichen Apothekerinnen von nebenan
Die Kolberger Apotheke um 1930
Ein Teil der hauseigenen Austellung zur Geschichte der Apotheke
Traditionelle Arzneifläschchen

„Wir sind schon so eine Art Kiez Klitsche, ein gemütlicher Ort der Begegnung und Kommunikation“, findet Apothekerin Michaela Meister, 40. „Die Leute kommen, wenn sie was auf dem Herzen haben. Sie fühlen sich hier wohl.“ Meistens gibt es einen Plausch, der über das aktuelle Befinden und die Anwendungsmodalitäten der Medikamente hinaus geht. „Natürlich unterliege ich als Apothekerin der Schweigepflicht und tratsche nichts weiter,“ grinst sie.

Ein Kurier eilt herein und bringt die Tagesbestellungen. „Grüß dich, Stefan! Alles gut?“ „Ja alles bestens, bis morgen dann!“

2006 hat Michaela Meister die Kolberger Apotheke (in der Gerichtstraße 18) übernommen. „Vorher war ich hier eineinhalb Jahre angestellt.“ Es ist eine schöne, traditionelle Apotheke, ausgestattet noch mit dem originalen, 81-jährigen Holzinterieur. Eine kleine Ausstellung illustriert ihre Geschichte. Ursprünglich kommt Meister – man hört es kaum noch – aus Würzburg, wo sie Pharmazie studierte. Inzwischen wohnt sie auch in der Gerichtstraße, ein paar Häuser weiter Richtung Panke. „Ich mag den Kiez sehr, gerade, weil er so gut durchmischt ist.“

„So lange ich hier wohne, komme ich weiterhin zu Ihnen!“ Es kommen viele Stammkunden. „Das freut mich aber!“ Die Zuzahlungsbefreiung des Studenten ist im Kassensystem gespeichert. Die meisten wohnen um die Ecke und werden namentlich begrüßt. Menschen unterschiedlichster Backgrounds und Ethnien. Doch seit Fertigstellung des neusanierten Nachbarhauses mit Eigentumswohnungen, „bemerkt man schon eine Veränderung der sozialen Struktur. Es gibt jetzt mehr Leute mit Geld.“ 

Ein junger Mann in Fußballbekleidung fragt nach einer Salbe und Bandagen für eine Prellung. Eine füllige Dame mittleren Alters kommt gleich mit einer Handvoll von Rezepten. Ein älterer Herr mit Fahrradhelm und gelber Leuchtweste wünscht einen Impfstoff: „Die Krankenschwester hat gesagt, ich soll mir nix andrehen lassen, was bald abläuft!“ Geduldig prüft Meister Verfügbarkeit und Haltbarkeitsdaten und erklärt die Einnahme. „Besonders Männer mit Migrationshintergrund wollen ganz genau wissen, wie man ein Medikament einzunehmen hat und wie verträglich es ist.“

Die Ärzte hätten für solchen Erklärungen kaum Zeit, eine typische Dienstleistung einer Apotheke. Oft ersetzt ihr Rat gar den Arztbesuch, besonders seit Einführung der 10€-Praxisgebühr. Zu den Services gehört weiterhin die Messung von Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Körperfett oder beispielsweise Hilfe bei der Zusammenstellung einer Reiseapotheke.

Die Kolberger Apotheke ist Mitglied der Initiative „Notinsel“ (www.notinsel.de). Diese bietet Kindern in Notsituationen schnelle Hilfe. Das Geschäft fungiert dabei als unmittelbarer Schutzraum. „Ich selbst wurde leider auch schon mal überfallen, abends nach Feierabend. Glücklicherweise ist aber nichts weiter passiert.“ Inzwischen ist die Apotheke mit Überwachungskameras und Alarmanlage ausgestattet.

„Der Beruf macht mir wirklich Spaß! Er ist so vielschichtig. Man hat das Soziale, den Umgang mit vielen Menschen, das Kaufmännische, das Pharmazeutische, also Erklärungen über die Wirkungsweise von Medikamenten und die sterile Laborarbeit.“ Letztere nimmt allerdings ab. Etwa fünf Rezepturen, das sind Salben und Kapseln, die eigens für einen Patienten hergestellt werden, werden täglich produziert.

Am häufigsten gehen sogenannte nicht-verschreibungspflichtige Medikamente über den Tisch. Besonders in den kalten Monaten sind das Mittel gegen Erkältungen: Nasensprays, Hustenbonbons, Schleimlöser, usw. Ab Frühling werden Antiallergika am häufigsten gefragt. Schmerztabletten wie Aspirin, Paracetamol und Ibuprofen laufen immer gut. „Oft werden auch Generika verlangt.“ Das sind baugleiche Medikamente anderer Hersteller. „Die sind preiswerter und wirken genauso.“

Ein junger Araber verlangt nach einem Tee zur Fettverbrennung zur Unterstützung seiner Diät. „So etwas gibt es nur in der Werbung!“, weiß Meister und empfiehlt Artischocken, „Ich habe nur was zur Durchblutungssteigerung.“ Der Mann bedankt und geht etwas enttäuscht. Fünf Minuten später kommt er zurück und kauft den Durchblutungstee.

„Insgesamt nimmt das Gesundheitsbewusstsein merklich zu!“ Meister macht das an der besseren Aufklärung aber auch an der Krankenkassenpolitik fest „Wenn man zuzahlen muss, überlegt man sich zweimal was man wirklich braucht und was nicht.“

Weitere Informationen zur Apotheke www.kolberger-apotheke.de

Volker Kuntzsch