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Die Nachbarschaft und ihre Anliegen ernst nehmen

Was dem Quartiersrat zum Thema IHEK bewegt

Quartiersräte des QM-Gebietes Pankstraße

Stichwort IHEK. IHEK? Was soll das sein? Machen wir eine kurze Umfrage auf dem Nettelbeckplatz. Die Antworten von fünf Passanten, knapp aneinander geschustert: "Vielleicht ein elektronischer Hack von Hackern, ein E-Hack? Ach nee - nicht-elektronisch kann man ja garnicht hacken." "Hört sich wie eine Entwicklungshilfeorganisation an." "Vielleicht Igel haben einen Kater?" "Ist das nicht diese Handwerks-Organisation?" "Internationale Handels- und Export-Konferenz?"

Resümee: Das IHEK-Fachwissen ist unter der Weddinger Bevölkerung nicht stark ausgeprägt. Das muss nicht so bleiben. Denn was so ein IHEK ist, davon konnten sich Anfang des Jahres die Quartiersräte aus dem QM-Gebiet Pankstraße gemeinsam mit ihrer Nachbarschaft ein Bild machen. IHEK steht für Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept. Dieses Konzept bildet die Grundlage für die strategische Ausrichtung der QM-Arbeit in einem QM-Gebiet. Es zeigt den aktuellen Stand der Gebietsentwicklung auf und legt für die kommenden zwei Jahre Strategien und Handlungsschwerpunkte für das weitere Vorgehen fest. Somit ist das IHEK Grundlage für die Arbeit der Quartiersmanagement-Teams.

Damit das IHEK mit der Entwicklung eines Gebietes Schritt hält, wird es alle zwei Jahre erneuert. Diese Erneuerung kann auch von QM-Team und Quartiersrat allein geleistet werden. Hier im QM-Gebiet Pankstraße hat es allerdings gute Tradition, dass die IHEK-Erstellung auf breitere Füße gestellt wird. Und so lud auch im Januar 2019 das QM-Team um Quartiersmanagerin Sükran Altunkaynak den Pankstraßen-Kiez zu öffentlichen Workshops in die Versammlungsräume in der Adolfstraße.

Heute, einige Monate später, trifft sich der Quartiersrat zur zweiten Sitzung nach der Sommerpause und blickt auf das neue IHEK und zurück auf dessen Entstehungsprozess. Annette Overmeyer vom QM-Team streut ein paar Fragen in die Runde, um die Diskussion in Fahrt zu bringen. Sie selbst ist an den Antworten auch persönlich interessiert, denn Anfang 2019 war sie noch nicht im QM-Team Pankstraße.

Ein junger Quartiersrat ergreift als erster das Wort. Er erzählt, dass es zwei öffentliche Sitzungen gegeben habe. Diese erinnert er als sehr gut organisiert. Besonders gut gefiel ihm, dass die Verortung wichtiger Emotionen, Informationen und Institutionen auf einer großen Kiezkarte möglich war. "Es war von Anfang an eine sehr produktive Atmosphäre. Es ging nicht nur darum, zu meckern oder seine Sorgen loszuwerden, sondern vor allem darum, Lösungs- und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Sehr gut fand ich, dass wichtige Ansprechpartner aus dem Bezirksamt persönlich dabei und ansprechbar waren." Das Verhältnis von Quartiersräten zu Nicht-Quartiersräten unter den Teilnehmer*innen betrug seiner Meinung nach ungefähr 50:50.

Sükran Altunkaynak verweist auf eine Karte an der Wand, die noch aus diesem Workshop stammt. Darauf sind die Wohnorte der Teilnehmer*innen markiert. Die allermeisten wohnen tatsächlich direkt im QM-Gebiet.

Ein weiterer Quartiersrat bestätigt die Darstellung seines Vorredners. Auch für ihn war die Qualität des Austauschs auf diese Veranstaltungen sehr bemerkenswert.

Eine altgediente Quartiersrätin ergänzt, dass es nach dem ersten öffentlichen Workshop eine Quartiersratssitzung gab, in der dessen Ergebnisse ausgewertet wurden. Sie fand es toll, auf den Treffen viele Menschen kennenzulernen, die in anderen Bereichen als sie selbst im Kiez aktiv sind. "Meist ist man ja eher monothematisch unterwegs. Ich treffe mich oft mit anderen Kolleginnen und Kollegen aus dem Bildungsbereich. Aber zum Beispiel Vertreter aus Kultur oder lokaler Wirtschaft – die treffe ich nur bei diesen Terminen."

Was genau ist mit den Vorschlägen aus den Workshops passiert, möchte ich wissen. Die wichtigsten davon, so berichten die Quartiersmanagerinnen, flossen in Projektausschreibungen ein, für die inzwischen auch Projektträger gefunden wurden. Dabei handelt es sich um die Fortführung des Antidiskriminierungsprojektes, das Projekt "Kreative Höfe im Quartier", die Einrichtung einer Werkstatt durch den Schulförderverein der Herbert-Hoover-Schule und eine Kampagne für mehr soziale und kulturelle Veranstaltungen im Quartier.  

Andere Themen, die bei den Treffen aufkamen, sind wahre "Dauerbrenner" im Quartier. Hier geht es vor allem um Grün und Grünpflege, Sauberkeit und Sicherheit im Quartier, die Umsetzung der Verkehrs- und Beleuchtungskonzepte sowie eine etablierte Unterstützung durch die Fachämter des Bezirksamtes. Mit dem neuen Projekt "Kiez(t)raum", dessen erklärtes Ziel ein sicherer, sauberer und attraktiver öffentlicher Raum ist, kommt das QM diesem Bedarf nach.

Daneben sind die aktuellen Schwerpunkte Bildung (wie schon seit Beginn des QM-Programms im Pankstraßenkiez) und Nachbarschaft. Im Bereich Bildung verschieben sich die Akzente ein wenig, es geht nicht mehr nur um Sprachförderung. "Wir singen jetzt zusammen", sagt Sükran Altunkaynak augenzwinkernd in Anlehnung an die Veranstaltung "Der ganze Wedding musiziert" am 5. September 2019.

Dass sich die Quartiersräte mit Herzblut für ihren Kiez einsetzen, ist bei der nachfolgenden Diskussion zu beobachten. Wie so oft - und schon seit Jahren - ist der Müll auf öffentlichen Flächen das Thema, an dem sich die Emotionen entfachen. Die spontane, vom eigentlichen Thema des Tages wegführende, Diskussion führt immer wieder zu Kopfschütteln, weil die Quartiersräte - ebenso wie der Verfasser - nicht fassen können, mit welcher Intensität und Geschwindigkeit die öffentlichen Räume immer wieder zugemüllt werden.

Was wären denn Themen für das nächste IHEK, frage ich. Als Antworten aus dem Quartiersrat kommen der Pankegrünzug, hier vor allem die Pflege der Pflanzen und Flächen. Das Grünflächenamt stößt dabei oft an seine Kapazitätsgrenzen, dementsprechend werden einige Bereiche nur sporadisch oder auch fast nie gepflegt. Einige Quartiersrät*innen geben zu bedenken, dass es nicht Aufgabe des Programms Soziale Stadt sein könne, staatliche oder kommunale Aufgaben zu übernehmen. Es sei nicht immer einfach, hier die Grenze zu ziehen.
Ein weiteres Thema wäre die Beleuchtung des öffentlichen Raums. Es gibt viele No-Go-Bereiche gerade für Mädchen und Frauen, denen man gern den Kampf ansagen würde.

In den 17 Jahren QM Pankstraße wurde anfangs viel für die bauliche Aufwertung von Flächen und Plätzen getan. Geraten diese aber zurück in die Pflege der kommunalen Institutionen, drohe dort eine Vernachlässigung durch fehlende Kapazitäten beim Straßen- und Grünflächenamt. Deshalb wäre es gut, sagen die Quartiersmanagerinnen, wenn die Anschlusspflege von Beginn an geregelt wird. Aber Fluktuation und Mitarbeitermangel setzen den Ämtern schwer zu, was zum Beispiel auch die Prozesse im Verkehrsprojekt stark verlangsamt habe.

Zurück zum IHEK. Eine letzte Frage an die Quartiersräte: Wie hat euch das Verfahren, an dessen Ende das IHEK stand, gefallen?

Eine Quartiersrätin antwortet als erste: "Es war ein guter Prozess, transparent und offen. Ich habe neue Leute kennengelernt, alte wieder getroffen. Beim nächsten Mal würde ich aber gern wieder ins Silent Green oder in die Wiesenburg gehen. Die Atmosphäre dort ist so inspirierend."

"Ich fand es gut und spannend. Und es war gut zu beobachten, dass viele Themen, die von außen eingeflossen sind, nun tatsächlich im IHEK stehen", sagt ein zweiter.

"Die formulierten Bedarfe wurden gewissenhaft aufgegriffen", bestätigt ein dritter Quartiersrat. "Dies ist ein Zeichen dafür, dass das QM-Team die Nachbarschaft und ihre Anliegen ernst nimmt."

Abschließend erzählt der Quartiersratssprecher, dass die Ergebnisse der Diskussionen quasi 1:1 in der Steuerungsrunde vorgestellt wurden. Er war sehr angetan davon, wie detailliert Schwerpunkte und Projektbedarfe dort abgestimmt wurden. "Da scheinen bei jedem Diskussionsbeitrag, bei jeder Nachfrage Engagement und Herzblut für unseren Kiez durch. Gerade dies Aufbereitung in der Steuerungsrunde fand ich super."

Nun ist das IHEK fertig und barrierefrei für alle auf der QM-Website zugänglich. Zum neuen IHEK.

Text und Fotos: Johannes Hayner