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Sonntag, 16. Dezember 2018  13:00 Uhr

Weihnachtlicher Weddingmarkt auf dem Leopoldplatz

Mittwoch, 14.11.2018

Ein neuer Platz für den Kiez

Eröffnung des Weddinger Rathausumfeldes am 12. November

Viele wollten bei der Eröffnung dabei sein
Infotafeln zeigten den Ablauf des Gestaltungsprojektes
Blick aus der benachbarten Schillerbibliothek
Im Licht der untergehenden Sonne
Schülerinnen lasen Stücke moderner Literatur
Schüler der Musikschule "Fanny Hensel" fanden ihr Publikum
Laternen Marsch! Frau Lompscher, Frau Weiß und Frau Petersen (v.l.n.r.) betätigen gemeinsam mit zwei Vertretern der beteiligten Baufirmen den Lichtschalter
Unter den riesigen Leselampen versammelte sich die Gemeinde
Je weiter die Dämmerung, desto schöner die Fotos

Berlin und Baustelle – das ist seit Jahren in der Wahrnehmung der Bewohnerinnen und Bewohner eins. Da ist es doch schön, dass immer mal wieder eine Eröffnung gefeiert werden kann, und am Montag, 12. November war es auch in unserem Kiez wieder soweit. Jahrelang wurde am großen Platz zwischen Altem Rathaus Wedding, Weddinger Rathausturm (seit 2015 Jobcenter Berlin Mitte) und Schillerbibliothek gebuddelt, planiert, gepflastert und gebaut. Nun wurde der komplett umgestaltete Platz feierlich eröffnet.


Die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher, ließ es sich nicht nehmen, selber die Eröffnung des Platzes vorzunehmen. Nach einem kurzen musikalischen Vorspiel von Schülern der Musikschule Fanny Hensel ergriff sie beherzt das Mikrofon und meint, dass die hier verbauten 4,5 Millionen Euro gut angelegt seien. Mit der Gestaltung des neuen Platzes zeigt sie sich sehr einverstanden. "Wenn Menschen ihr Umfeld anders wahrnehmen, ist es das Beste, was Architektur erreichen kann", sagt sie. Sie schließt mit einem Appell an die zum Teil versammelte Nachbarschaft: "Machen Sie was draus!"


Freundlicher Applaus der sicherlich hundert hierher gekommenen Menschen leitet zur nächsten Rednerin über. Sabine Weißler, Bezirksstadträtin für Weiterbildung, Kultur, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen, führt aus, dass mit dem Gefüge von Plätzen rings um den Leopoldplatz ein Identifikationspunkt für die Weddinger existiere. Dem werde nun ein Außenraum mit völlig neuer Qualität hinzugefügt. Mit den großzügigen Sitz- und Liegeflächen aus Holz und Beton und den stilisierten, überdimensionalen Leselampen entstand dem Wedding hier ein Platz zum Verweilen, zum Lesen, sich Treffen und Austausch untereinander. Klar, dass die Gestaltung des Platzes einen Verweis auf die benachbarte, ebenfalls erst vor wenigen Jahren eröffnete Schillerbibliothek beinhaltet. Eingelassen in die Bodengestaltung sind zudem die Namen aller Partnerstädte des Stadtbezirkes Mitte. Hinsichtlich der Annahme des Platzes durch die Nachbarschaft zeigt sie sich optimistisch: "Ich bin überzeugt, dass wir diesen Platz ins Herz schließen und lieben werden."


Als dritte und letzte Rednerin des Nachmittags kommt nun Sofia Petersen vom ausführenden Architekturbüro Annabau zu Wort. In einem mehrstufigen Beteiligungsverfahren wurde die Gestaltung gemeinsam mit den Anwohnerinnen und Anwohner erarbeitet. Aber trotzdem: „15000 Quadratmeter zu bebauen ist keine leichte Aufgabe", meint sie. Was entstanden ist, kann sich aber sehen lassen. Der Platz hat nicht nur an gestalterischem Ausdruck gewonnen, sondern auch an Aufenthaltsqualität. Denn früher habe man sich hier nicht gern aufgehalten, der Platz war unübersichtlich und mit vielen Angsträumen versehen. Dem wirkt die neue, offene Gestaltung des urbanen Stadtraumes gezielt entgegen. Wo früher ein schmaler Durchgang hin zur Genter Straße war, soll nun der breite, flanierfreundliche Durchgang nicht zuletzt die Studierenden der Beuth-Hochschule dazu animieren, die viel befahrene Luxemburger Straße zu umgehen. Das an den Sitz- und Liegeflächen vorhanden frei zugängliche Internet wird seinen Beitrag dazu leisten, dass sich nicht nur die Studierenden gern hier aufhalten werden.


Kurz und knackig waren die Reden, sodass zügig zur Zuschaltung der Platzbeleuchtung geschritten werden konnte. Interessiert verirrten sich schon vorher die Blicke des Publikums in die bunten Innenhohlräume der ansonsten steingrauen Lampen. Ein gigantischer Button wurde nun von den drei Rednerinnen sowie zwei Vertretern der ausführenden Bauunternehmen getätigt. Unter lauten „Ah!“- und „Oh!“-Rufen erleuchtete plötzlich buntes Licht in ganz verschiedenen Farbnuancen den Platz, der mit zunehmender Dämmerung immer heimeliger und beeindruckender wurde. Gut, dass nun auch die Kinder aus benachbarten Kitas mit ihren Laternen kamen und so das Ambiente noch stimmungsvoller machten. Drei Schülerinnen rezitierten moderne Literatur, bevor die Musikschüler wieder das akustische Zepter übernahmen.


Wer von der Betrachtung des Außenraumes inzwischen genug hatte, konnte sich anschließend im Foyer der Bibliothek mit Kuchen und Kaffee vergnügen. Gesprächspartner waren auch genug vorhanden, sodass man sich bald auf einer Party wähnte. 


Was nun noch fehlt, ist der Tauglichkeitstest des Platzes für die Beherbergung nachbarschaftlicher Picknicks an lauen Sommerabenden. Aber wie wir die Weddingerinnen und Weddinger kennen, werden sie dies demnächst in großer Zahl nachholen. Vorerst kann man sich auch so über einen schönen neuen Stadtplatz zum Vorzeigen freuen.

Text und Fotos: Johannes Hayner