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Textildruck-Workshop

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Basteln mit Natur im Himmelbeet

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Basteln mit Natur im Himmelbeet

Dienstag, 20.12.2011

Geld verdienen im Kiez - wie Menschen im QM-Gebiet arbeiten

Wie verdienen die Menschen hier im Kiez ihren Unterhalt? Wir haben einige Nachbarn aufgesucht und nachgefragt.

Änderungsschneiderei Expert

„Sehr viel Spaß“ macht Kadir Arslan, 45 die Arbeit nach wie vor, besonders, wenn er Menschen ihr absolutes Lieblingskleidungsstück repariert oder anpasst. „Die sind dann richtig glücklich und dankbar!“ 1990 ist der Schneider aus Anatolien nach Berlin gekommen. Dort hatte er gelernt. Seit 1994 hat er das Geschäft in der Luxemburger. „Früher war hier ein Kiosk drin.“ 20.000 Mark Abstand musste er zahlen. Arslan nippt an seinem Tee, „Das einzige was er mir ließ, war die Telefonnummer.“ Inzwischen hat er drei Filialen und einen festen Kundenstamm. Das Geschäft läuft „ganz gut. Im Winter immer besser als im Sommer!“

Änderungsschneiderei Expert, Luxemburger Str. 5,

Tel.: 453 45 45

Blumenhaus Wedding

Doris Wellenbrock, 57 lebt für ihren Beruf. Sie strahlt. „Weil ich Blumen liebe!“ hat sie nach der Schule eine Ausbildung als Gärtnerin und Floristin gemacht. Seit 14 Jahren arbeitet sie im Blumenhaus, 2008 hat sie den Laden übernommen. Die Blumen holt sie mehrmals die Woche frisch vom Großmarkt in der Beusselstraße. Ein wenig Sorgen bereitet ihr die Entwicklung im Kiez: Post, Bäcker und Krematorium haben geschlossen, der Friedhofseingang wird verlegt, das ist nicht gut fürs Geschäft.“ Die Genossenschaft hat die Miete angepasst. „Ich komme ganz gut über die Runden.“ Eine Kundin kommt rein und wünscht einen roten winterlichen Strauß um die 25€. Wellenbrock strahlt und legt los. „Hier kann ich kreativ sein und habe gleichzeitig mit vielen netten Menschen zu tun!“

Blumenhaus Wedding, Adolfstr. 1 (Ecke Gerichtstr.)

Tel.: 4 62 40 64

Weißbach Zeitungen und Tabakwaren

„Ich habe viele Berufe!“ freut sich Margitta Weißbach, 61, die Inhaberin. Ursprünglich hatte sie Fernmeldemechanikerin bei der Post gelernt. „Aber das war nichts für mich! Da hab ich immer + und - verwechselt und einen Schlag bekommen.“ Später hat sie um die Ecke bei Schering gearbeitet. „Ganz oben im Casino.“ Und genau in diesem Geschäft hier habe ich damals meine Tabakwaren gekauft, solche, die es nicht mal im KaDeWe gab.“ Als der Laden dann 1993 aufgegeben wurde, hat sie den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Erfolgreich. Vom BVG Ticket über den Lottoschein bis hin zu ausgefallenen Tabaksorten bekommt man hier eigentlich alles. Zeitungen ja sowieso. „Irgendwie ist es auch ein sozialer Treffpunkt hier, Die Leute kommen und erzählen aus ihrem Leben. Und ich höre zu. Es wird nie langweilig.“

Weißbach Zeitungen und Tabakwaren, Gerichtstr. 52a

Kl@mmeraffe

Burkhard Piller, 38, ist Illustrator, Animator, Konzepter, Skulpteur, Künstler. Er hat seinen Arbeitsplatz – ein riesiger digitaler Zeichenscreen mit Laptop – in einer Ateliergemeinschaft mit angeschlossener Werkstatt. Hier zeichnet, scribbelt, klebt, lackiert, schnippelt, modelliert er rund um die Uhr. Oft auch nachts oder am Wochenende. „Meine Spezialität ist es, kurzfristig auf Kundenwünsche zu reagieren.“ Nach dem Kommunikations-Studium an der UdK Berlin hat sich der Wahl-Weddinger vor 11 Jahren sofort selbständig gemacht und bedient inzwischen einen beeindruckenden Kundenstamm. „Viele Agenturen oder Verlage gehören zu meinen Auftraggebern.“ Abgerechnet wird per Tagessatz. „Ich habe eigentlich immer viel zu tun und komme prima über die Runden.“ Über 30 sehr unterschiedliche Skulpturen schmücken sein Regal. „Die zu entwickeln und dann mit unterschiedlichen Materialien zu bauen macht mir am allermeisten Spaß!“

Kl@mmeraffe, Gerichtstr. 23

Salon Struwwelpeter

„Mich hat der Beruf schon immer fasziniert.“ Saida Beilcke, 48, ist Friseur-Meisterin. Nach ihrer Ausbildung in Reinickendorf hat sie sich direkt selbständig gemacht. Das ist ihr dritter Salon. „Alle hier im Norden, so konnte ich meine Kunden mitnehmen.“ Vier Angestellte sind es im Moment. Inklusive Kosmetikerin und Pediküre. Aber der Laden wirkt größer. „Manchmal ist es wirklich ein Kampf!“ Die sich verändernde Sozialstruktur und auch die 10-Euro-Billig-Friseure, machen ihr das Leben schwer. „Seit 14 Jahren haben wir unsere Preise nicht angehoben.“ Trotz steigender Kosten rundherum. „Aber mein Beruf ist mein Hobby und das macht mir nach über 30 Jahren immer noch Spaß.“ Besonders freut sich die Ladenbesitzerin, wenn die Leute nach dem Haarschnitt mit sichtbar gesteigertem Selbstbewusstsein raus gehen. „Dann haben wir wirklich was Gutes vollbracht!“

Salon Struwwelpeter, Adolfstr. 1, Tel.: 465 60 68

Zieten Apotheke

„Ich hatte Bio und  Chemie im Abi, da war das Pharmazie-Studium an der FU die logische Konsequenz.“ Als Carola Lubomierski, 46 zehn Jahre alt war, sind die Eltern in die Badstraße gezogen. Dort hat sie dann auch ihr praktisches Jahr absolviert und in Anstellung gewechselt. Seit eineinhalb Jahren ist sie Filialleiterin in der Gerichtstraße und managet insgesamt 13 Angestellte. „Man verdient nicht schlecht, aber das Klischee des reichen Apothekers mit riesigen Gewinn-Margen ist eine Mär.“ Viele Verwaltungsarbeiten stehen auf dem Plan. „Das wird zu Sehens aufwändiger: Welche Kasse übernimmt noch welche Leistung, welches Medikament? Am allermeisten Spaß machen mir die Stunden hinterm Tresen, der Umgang mit den Menschen.“

Zieten Apotheke, Gerichtstr. 31, Tel.: 460 60 48 0

Kantine ExRotaprint

„Ich hab schon als Kind immer gerne gekocht!“ Christoph Stelzer, 23 ist seit Mai 2011 Chefkoch in der Kantine des ExRotaprint. Das Kombinieren von Zutaten, die verschiedenen Garverfahren und natürlich das Essen selbst machen den Beruf für den jungen Vater so spannend. „Gegessen wird immer, das ist ein Job mit Zukunft!“ Seine Ausbildung machte er in Riehmers Hofgarten in Kreuzberg, bekannt für gute österreichische Küche. Das merkt man der täglich wechselnden Karte oft an. Über einen Cubaner und die Weinerei in Mitte gelang er schließlich in den Wedding. Jeden Tag von 7 bis 17 Uhr verbringt er in Küche und Gastraum. Zusätzlich gibt es hier Spezialessen und Kochveranstaltungen an den Wochenenden. „Die Bezahung ist ok, ich habe viele Freiheiten und die Gäste sind sehr nett.“ Sein Lieblingsessen ist, natürlich aus Österreich, Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat.

Kantine ExRotaprint, Gottschedstr. 4

www.exrotaprint.de/kantine

Joachim Köhne

"Das schönste ist wirklich immer wieder das Strahlen in den Augen der Kinder, klingt wie ein doofes Klischee, ist aber wirklich so!" Achim Köhne, 46, ist seit über 20 Jahren Weihnachtsmann bei der Studentischen Arbeitsvermittlung. Einsatzgebiet Wedding. "Natürlich verdient man auch ganz ordentlich!" Pro Bescherung gibt's 30 bis 35€, je nach Kinderzahl. Plus Trinkgeld. "So 10 bis 15 Familien kann man schaffen, wenn man gut ist". Und Schnell. So eine Route will gut geplant sein. "Verzögerungen am Heilig Abend kommen nicht so gut." Der kurze Einblick in die unterschiedlichsten Heilig-Abend Szenerien ist immer wieder faszinierend: "Da bekommt man schon einiges mit!", lächelt er vielsagend. Am meisten freuen sich laut Köhne die Kinder, die von ihren Eltern nicht so sehr mit Geschenken überhäuft werden. "Weniger ist meistens mehr, manche Eltern übertreiben es wirklich und die Kinder realisieren gar nicht mehr, was passiert". Inzwischen hat Achim selbst zwei Söhne, kann sich aber von seinem Weihnachts-Job einfach nicht lösen. "Das mach ich sicher noch ein paar Jährchen und dann brauch ich vielleicht bald auch die weiße Perücke nicht mehr!", grinst er und fährt davon. In einem Auto mit Pedalen auf dem Beifahrersitz. Im richtigen Leben ist der Auftrags-WM Fahrlehrer.

Volker Kuntzsch