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Freitag, 13.06.2014

Kein Rascheln an der Panke

Anti-Plastiktüten-Tag im Panke Club

"Make a difference – make a bag"
Die Kollegen von 'Panke.info' und 'Weddingwandler' begrüßen die Besucher
Dorota Barth von 'Mehrwege im Klimaschutz'
Die Besucher lauschen gespannt
Jennifer Usadel von 'Mehrwege im Klimaschutz'
Jenny Weber von 'youngcaritas' stellt ihr Projekt vor
Warten auf den Einsatz: Nähmaschinen
Grün ist scharf!!
Geschickte Finger am Werk
Präzision ist gefragt
Schnipp schnapp: Upcycling wird 'Modetrend'
Gemeinsam macht Recyceln Spaß!

Die Weddingwandler luden am 4. Juni zur Zukunftswerkstatt in den Panke Club, um die Plastiktüte und Alternativen zu ihr zu besprechen bzw. vorzustellen. Veranstalter waren die Weddingwandler und Panke.info. Man traf sich locker an der Bar, Beginn war eigentlich für 17 Uhr festgelegt, aber Thorsten Haas trat ein wenig auf die Bremse. „Mensch, da kommen bestimmt noch mehr, über Facebook haben sich 23 Leute angemeldet.“ Und während wir locker plauschend an der Bar Kaltgetränke goutieren, kommen tatsächlich noch Gäste, sodass eine junge Dame von den Weddingwandlern immerhin rund 15 Leute begrüßen kann. Am Anfang stellt sie ihr Projekt kurz vor. Die Weddingwandler engagieren sich lokal für Alternativen zu eingefahrenen Gleisen und versuchen, neben theoretischem Input auch immer praktische Alternativen in ihre Veranstaltungen zu integrieren. So gab es neulich zum Beispiel das erste Repair-Café, in dessen Rahmen Menschen sich gegenseitig dabei halfen, defekte Dinge, die sonst in den Müll wandern, wieder in Gang zu bringen. Eine gigantisch-einfache Idee, wenn man im Hinterkopf hat, wie viele Geräte aufgrund von – sagen wir – einer gebrochenen Lötstelle in die Tonne wandern. Weddingwandler – weiter so! Thorsten Haas übernahm dann die Begrüßung im Namen von Panke.info bzw. Müllkampagne und die inhaltliche Einführung ins Thema.

 „Plaste und Elaste aus Zschopau“ stand zu DDR-Zeiten an der Elbbrücke auf der Autobahn zwischen Berlin und München – da war Plastik noch Kult. Inzwischen, das wissen wir, werden Plastiktüten durch ihre schlechte Klimabilanz, ihre massenhafte Verbreitung und die schwer abbaubaren Reste in anderem Licht betrachtet. In den Ozeanen bilden sich Inseln in Quadratkilometergröße, die aus Plastikabfall bestehen. Allein in Deutschland werden jedes Jahr fünf Milliarden Plastiktüten verbraucht, aneinander gebunden würden sie 39 Mal um die Erde reichen. Dies und mehr sollte eigentlich Thema des Eröffnungsvortrages zur Zukunftswerkstatt sein, den eine Referentin der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hallten sollte. Die Grammatik deutet es an: Der Vortrag fiel leider aus.

So kam es dazu, dass direkt Dorota Barth und Jennifer Usadel von Life e.V. zum Zuge kamen. Die beiden jungen Frauen arbeiten für das Projekt „Mehrwege im Klimaschutz“. In einem sehr sympathischen Vortrag erläuterte Dorota die Projektidee. In migrantisch geprägten Einzelhandelsläden (zum Beispiel einem türkischen Obst- und Gemüseladen) wird angeregt, auf Plastiktüten zu verzichten und stattdessen Stoffbeutel zu benutzen. Diese Beutel stellt das Projekt selber her und zusätzlich gibt es über ein Bonussystem die Gelegenheit, nach 10 Einkäufen ohne Plastik rabattiert einzukaufen. Das Projekt befindet sich gerade im Aufbau und die Refentin erzählt, wo im Einzelnen Knackpunkte waren. Der Idee des „Upcycling“ folgend sollten Stoffreste als Grundlage für die Stoffbeutel dienen. Allein diese zu bekommen war eine Herausforderung. Denn hier steht das Projekt in direkter Konkurrenz zu den zahlreichen Alttextil-Containern, die an vielen Orten stehen. Und dies, auch eine Information der Veranstaltung, oft illegal und mit streng kommerziellem Interesse. Schließlich brachte der Kontakt zu einem Großspender die notwendige Stoffmenge. Der Vortrag war sehr lebendig und diskursiv, viele Anregungen und Vorschläge kamen von den Zuhörern, so etwa der Tipp, die Beutel etwa mit einem Herstellerkürzel oder einer Seriennummer zu individualisieren oder auf Erkenntnisse eines Projektes in Dresden („Denk an Deinen Beutel“) zurück zu greifen. All dies wurde von Dorota und Jennifer dankbar aufgegriffen. Lustig auch die Ausführung, wie Männer zum Teil die Projektidee aufnahmen. Nicht wenige sagten wohl, „Ich gehe doch nicht mit einem leeren Stoffbeutel zum Einkaufen, da mach’ ich mich doch lächerlich!“ Um solchen Macho-Argumenten zu begegnen integrierten die Frauen eine kleine Tasche in die Tasche, in der Letztere in Portemonnaie-Größe verschwindet. So können auch stilbewusste Männer die Stofftasche mitnehmen ohne aufzufallen. Im Moment ist das Projekt dabei, die teilnehmenden Einzelhändler in Berlin zu akquirieren. Und dabei brauchen sie noch Unterstützung, Voraussetzung für eine Mitarbeit sind deutsche Sprachkenntnisse und solche in russisch, vietnamesisch, türkisch oder arabisch, denn dies sind die Herkunftsländer der meisten migrantisch geprägten Berliner Einzelhändler. Wer also solche Sprachkenntnisse besitzt und Lust auf Engagement im Umweltbereich hat, kann sich bei den beiden Frauen melden. Die Tätigkeit ist bezahlt und zeitlich nicht zu aufwendig.

Im Anschluss an „Mehrwege im Klimaschutz“ stellt Jenny Weber ihr Projekt „Make a difference – make a bag“ vor. Die junge Frau engagiert sich bei youngcaritas Berlin. Auch ihr Thema ist Upcycling und die Vermeidung von Plastikmüll. So initiierte sie einen Wettbewerb, der junge Menschen dazu auffordert, selber Stoffbeutel zu nähen und dabei kreativ zu sein. Die besten Ideen werden von einer Jury ausgewählt und prämiert. Jenny arbeitet ehrenamtlich in dem Projekt und freut sich über alle, die mit ihr gemeinsam Spaß am Nähen und am sozialen Engagement haben. Mit ihrem vorherigen Projekt „Aus Sakko mach Rucksack“ hat sie bereits mediale Aufmerksamkeit erregt und den Gedanken, Altem durch kreatives Bearbeiten eine neue Nutzungsmöglichkeit zu eröffnen, ventiliert. Ihre Nähgruppe trifft sich jeden Mittwoch um 16.30 Uhr in der Residenzstraße 90. Alle Erlöse aus dem Projekt – die Taschen werden am Ende alle verkauft – fließen in soziale Projekte der Caritas im Erzbistum Berlin.

 Nach so viel theoretischem Input hatten nicht wenige Teilnehmer und vor allem Teilnehmerinnen Lust, nun selbst die Nadel zu führen. Aus diesem Grund wurde in einem weiteren Raum des Panke Clubs ein Nähstudio mit sechs Nähmaschinen aufgebaut, an denen nun alle selber Beutel, Taschen, Sakkos oder was auch immer nähen konnten. Das Angebot wurde sehr dankbar angenommen, der praktische Teil war sogar besser besucht als der theoretische. Als der Berichterstatter die Veranstaltung verließ, war ein Ende der Veranstaltung noch nicht abzusehen. Wie bewerten die Veranstalter das Treffen? Thorsten Haas: „Wir wollten zum In-Thema Plastiktüten neue Impulse setzen. Dies ist gelungen. Was wir vor allem zeigen konnten war, dass jeder selbst aktiv werden kann.“  Der Anti-Plastiktüten-Tag im Panke Club – ein lebendiges Treffen mit engagierten Besuchern, das nach Fortsetzung schreit. Wer Interesse hat: Am 3. Juli gibt es im Himmelbeet (Schul-/ Ecke Ruheplatzstraße) die nächste Zukunftswerkstatt zum Thema Lebensmittel. Und – ganz wichtig – an  diesem 3. Juli ist No-Bag-Day. Nicht vergessen und weitersagen.

 

Weitere Infos:

www.weddingwandler.de/

www.mehrwege-im-klimaschutz.de/

www.youngcaritas.de/engagiert/upcycling

Johannes Hayner