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Mittwoch, 27.03.2013

Neue Chance für Jobsuchende

Zu Besuch im Job Point Mitte

Christiane Hansen vor ihren Jobangeboten
Der Job Point Mitte (Alt-Moabit 84)
Der Job Point Neukölln - seit Jahren eine Institution im Stadtbezirk
Senatorin Dilek Kolat bei der Eröffnung des Job Point Mitte
Ganz einfach: Handlungsanweisung zum Umgang mit den Jobangeboten
Narzissen sorgen für Osterstimmung
Aufsteller locken Passanten in den Job Point Neukölln

Sechs Minuten dauert die U-Bahn-Fahrt vom Leopoldplatz zur Turmstraße. Nachdem man die Station verlassen hat und ein paar Meter gelaufen ist, weisen Aufsteller auf eine Neueröffnung hin. Seit Mitte Januar diesen Jahres befindet sich in dem Eckgebäude Alt-Moabit 84 der Job Point Mitte. Die Projektleiterin, Christiane Hansen, sagt, dass Berlin Mitte für sie auch ein Sprung ins kalte Wasser sei. Sie betrachte das aber als Herausforderung, auf die sich sich freue. Es ist der zweite Job Point der Stadt Berlin, der mit Unterstützung des Senats und des JobCenters Mitte realisiert werden konnte. Die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, verspricht sich große Erfolge von dem Job Point. Bei der Eröffnung erklärte sie: "Mit dem zweiten Job Point in Berlin bauen wir das Angebot einer direkten, schnellen und niedrigschwelligen Arbeitsplatzvermittlung aus. Das kommt den engagierten Arbeitssuchenden genauso zugute wie den Unternehmen, die kurzfristig Fachkräfte finden können." Die Idee, mehrere Job Points in Berlin zu eröffnen, existierte schon länger. Vorbild sind die in Dänemark flächendeckend in Einkaufszentren und Fußgängerzonen eingerichteten Jobbutikken, ein dänisches Erfolgsrezept. "Der Job Point vermittelt unbürokratisch, schnell und im direkten Kontakt zwischen Arbeitgebern und Arbeitssuchenden.", sagt die Senatorin. Im Schaufenster hängen Angebote, von Krankenpfleger/in bis IT-Experte. Der Vorteil des Job Points ist, dass man dort beide Seite kennt, die Unternehmen und die Arbeitssuchenden, und somit gute Vermittlungschancen bestehen. Nachdem man den Job Point betreten hat und freundlich begrüßt wurde, fallen die zahlreichen Aufsteller mit A4-Ausdrucken, die in Folien aufgehängt sind, auf. "Die Stellenangebote sind tagesaktuell.", betont Frau Hansen. Die Angebote sind nach Bereichen von Dienstleistungen über Gesundheit & Soziales bis Baugewerbe / Transport / Handwerk geordnet. Ein Zettel erklärt das System: "1. abhängen 2. kopieren 3. zurückhängen." Kopierer zu kostenfreien Benutzung stehen bereit. Auch kann man sich der PC-Recherche widmen, Online-Bewerbungen abschließen, das Telefon benutzen oder die eigenen Bewerbungsunterlagen fertigstellen. Alles kostenfrei.

Ein paar Narzissen verbreiten Osteratmosphäre im Raum, obwohl draußen noch Minusgrade herrschen. Ein Mann mittleren Alters aus dem Weddings erklärt Christiane Hansen, dass leider sein Diplom in Deutschland nicht anerkannt werde. Frau Hansen empfiehlt den Mann weiter. "Wir können nicht alle Probleme professionell bearbeiten. Bei Rechtsberatung oder bei Schulden gibt es Träger, die den Menschen besser helfen können. Die kennen wir und dort schicken wir die Leute hin. Wir sind gut vernetzt." Eine noch tiefere Vernetzung wird für die Zukunft angestrebt. Die Verkehrsanbindung ist zwar mit der U Turmstraße sehr gut, das Bürgeramt ist gleich gegenüber. Doch die Anbindung an die Bezirke, gerade auch den Wedding, soll noch besser werden. Wenn die Temperaturen steigen, will der Job Point Mitte mit einem mobilen Informationsstand in den Kiezen Werbung machen, zum Beispiel auch in der Müllerstraße. Der Job Point Mitte hat ein Team von 7 Mitarbeitern. In Zukunft soll Präsenz im Kiez gezeigt werden, auf Straßenfesten, auf öffentlichen Veranstaltungen, überall, wo Menschen zusammenkommen. "Wir sind nicht nur für Arbeitssuchende da, sondern für alle, die sich verändern wollen.", sagt Christiane Hansen.

Zu Besuch im Job Point Neukölln in der Karl-Marx-Straße. Der Job Point Neukölln existiert seit über 10 Jahren und ist das Vorbild für den Job Point Mitte. "Der Job Point Neukölln ist sehr erfolgreich.", sagt die stellvertretende Projektleiterin, Anne Döbel. "Menschen aus ganz Berlin kommen hierher." Die Räume sind hell und freundlich, es gibt zwei Etagen, große Fenster sorgen für Transparenz. Ein junger Mann betritt den Job Point. Eine Mitarbeiterin empfängt ihn. Es entsteht ein lockeres Gespräch. Die beiden bewegen sich auf den Aufsteller mit den Ausbildungsangeboten zu. Der junge Mann hat gefunden, was er gesucht hat, bedankt sich und liest aufmerksam die zahlreichen Angebote. Die Mitarbeiterin verweist noch auf den schräg gegenüber liegenden Lernladen, der sich auf Aus-, Weiter- und Umbildungsprogramme spezialisiert hat. Dann wendet sie sich einem neuen Kunden zu, der soeben den Job Point betreten hat. "Wir haben hier einen Vertrauensraum geschaffen.", erzählt Frau Döbel. Bewusst wurde die Lage verkehrsgünstig und in einer Einkaufsstraße gewählt. "Man soll das Angenehme mit der Arbeitssuche verbinden können.", so Anne Döbel. Auf der Straße vor dem Job Point sind viele Menschen unterwegs, viele mit Taschen und Beuteln mit den Einkäufen. Aber auch in den Räumen des Job Points herrscht ein reges Treiben. Manche kommen kurz herein, schauen sich ein paar Angebote an und gehen wieder. Andere bleiben länger, legen erstmal ihre Jacke ab, setzen sich an einen freien Computer, recherchieren, drucken und kopieren. Selbstverständlich alles kostenfrei. Anne Döbel sagt, dass eine Beratung hier im Durchschnitt zwischen 60 und 90 Minuten dauere. Die Beratung schaffe Verbindung. "Wir gehen auf die individuelle Situation, auf die Anliegen und Bedürfnisse der Kunden ein." Anne Döbel steht für die Idee des Job Points. Sie ist freundlich und offen, wie alle Mitarbeiter in dem Job Point. Man möchte ergänzend zu den Angeboten der Arbeitsagentur und des Jobcenters beraten. Vor allem aber anders als im Amt. Das schätzt auch Sven, der sich an einem der PCs über Ausbildungsplätze informiert. "Hier kann ich einfach mal rumgucken, ohne Druck. Das ist schon ein ganz anderes Gefühl." Im Job Point drohen keine Sanktionen. Wer sich lieber anonym informieren möchte, kann das tun. Das niedrigschwellige Angebot spricht viele Kunden an, so Frau Döbel. "Wir können aber nur Angebote machen. Letztlich entscheidet der Kunde selbst. Wir können nur unterstützend für Eigeninitiative und Selbstmanagement wirken." Dass sich der Job Point an interessierte und motivierte Arbeitssuchende richtet, wissen auch die Unternehmen zu schätzen. In den vielen Jahren seit Bestehen des Job Points Neukölln seien feste Kooperationen mit Unternehmen gewachsen, sagt Frau Döbel. Die Zusammenarbeit mit Arbeitgebern funktioniere sehr gut, auch die Rückmeldungen seien positiv. Inzwischen finden auch regelmäßig Veranstaltungen, bei denen sich zum Beispiel Unternehmen vorstellen, aber auch Hilfe beim Bewerbungsprozess gegeben wird, im Job Point Neukölln statt.

Zurück im Job Point Mitte. Was in Neukölln schon eine Erfolgsgeschichte ist, kann hier noch eine werden. Erfahrungen wurden ausgetauscht, einzelne Mitarbeiter wechselten von Neukölln nach Mitte, um den Aufbau des neuen Job Points zu unterstützen. Eine ältere Dame betritt den Job Point und wundert sich, dass es noch so leer ist. "Das stimmt, samstags ist es noch recht ruhig.", sagt Christiane Hansen und fügt mit einem Schmunzeln hinzu, dass sich das aber in Zukunft ändern solle. Die ältere Dame nimmt an einem der Computer Platz. Ein junger Mann betrachtet die Angebote. Er hat Kopfhörer auf. Christiane Hansen betont, dass die Beratung auf Augenhöhe, die man hier anstrebe, die Anonymität als Voraussetzung habe. "Jeder soll selbst entscheiden, wann er den persönlichen Kontakt mit dem Berater will." Sie unterbricht kurz das Gespräch, um einen Termin mit einem Kunden zu vereinbaren. Als sie zurück kommt, entschuldigt sie sich kurz. Auf Höflichkeit wird Wert gelegt. Auf die Pläne der nächsten Zukunft angesprochen, erzählt Christiane Hansen von den Veranstaltungen, die in nächster Zeit geplant sind, vom Speed Dating mit Unternehmen über die Tücken einer Online-Bewerbung bis zur Stil- und Farbberatung für den richtigen Auftritt beim Bewerbungsgespräch. Der Veranstaltungskalender wird regelmäßig auf der Homepage aktualisiert. "Das Projekt steckt hier in Mitte noch in den Kinderschuhen.", sagt Christiane Hansen. "Aber wir haben viel vor."

www.jobpoint-berlin.de

Jakob Hayner