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Spielplätze statt satte Ratten

Rattenaktion der Müllkampagne

Alle lauschen den Worten von Christoph Wüllner (StadtundHund)
Essen gab's heut' nur für Menschen
Ihm schmeckts!
Bitte nicht füttern!
Genug Schilder für alle
Die Presse ist natürlich auch am Start
Anwohner diskutieren das Rattenproblem
Christoph Wüllner und Rainer Menke von Stadt&Hund
Ein Mülleimer wie vorn im Bild ist von jeder Ratte zu überwinden

Scharfe Zähne, flinke Knopfaugen, nackter Schwanz: die Ratte. Früher Überträger von Pest und Cholera, blinder Passagier auf Ozeanseglern, verantwortlich für den Niedergang seltener Schildkröten- und Vogelarten in Übersee. Ratten werden im Gegensatz zu ihren kleinen Geschwistern, den Mäusen, von fast allen mit Ekel betrachtet und Mythen ranken sich um ihre Schlauheit, Aggressivität und Fortpflanzungskraft. Nebenbei übertragen sie nette kleine Gemeinheiten wie Salmonellen, Leptospiren und Toxoplasmen. Leben in Berlin mehr Menschen oder Ratten? Der Punkt geht an die Nager. Auch hier im Kiez gibt es eine beachtliche Population, selbst wenn man die grauen Nachbarn selten sieht.

 

Grund genug, sich einmal näher mit diesem Problem zu befassen, fanden die Initiatoren der Müllkampagne. Das Projekt läuft mit QM-Mitteln und wird von den Projektnehmern Stadt&Hund, Kollegen 2,3 und Panke.info gemeinsam umgesetzt. Also trafen sich am Nachmittag des 3. Juni fünfzehn Menschen aus dem Kiez am Haus der Jugend, um auf der herrlichen Sonnenterrasse des Cafés die Rattenfrage zu diskutieren. Bei Kaffee, Cola und Kuchen stellte Stadt&Hund-Geschäftsführer Christoph Wüllner die Dimension des Rattenaufkommens in der Hauptstadt und speziell die Konsequenzen für Spielplätze vor. Gerade in den innerstädtischen Gebieten leben besonders viele Ratten auf engem Raum. Während innerhalb eines Erfassungszeitraumes von ca. einem Jahr beispielsweise in Köpenick weniger als 10 Ratteneinsätze des Gesundheitsamtes nötig waren, gab es im PLZ-Gebiet 13347 zwischen 80 und 150 Ratteneinsätze. Je besser ihre Lebensbedingungen, desto schneller vermehren sie sich. Was brauchen die kleinen Ekelpakete? Eigentlich nur drei Dinge, führt Wüllner aus: Wasser, ausreichend Nahrung und trockene Nistplätze. All dies finden die Ratten hier im Überfluss – vor allem, da die Ratten eigentlich alles fressen. Und je mehr Menschen auf einem bestimmten Gebiet leben, umso mehr Speisereste bleiben liegen. Beziehungsweise werden diese auch gezielt hingelegt – zum Beispiel durch "Tierfreunde", die gegen alle Empfehlungen Enten oder Tauben im öffentlichen Raum füttern. Alles, was hier liegen bleibt, landet im Bauch der Ratte.

 

Dass die Rattenfrage schnell zur Rattenplage werden kann zeigt ein simples Rechenbeispiel. Eine Rättin kann jedes Jahr vier bis sieben Würfe gebären mit jeweils acht bis zwölf Jungen. Nehmen wir jeweils nur die untere Zahl der beiden Zahlenspannen, hat jede Rättin 32 Nachkommen im Jahr. Von denen jede(r) wiederum ebenfalls 32 Nachkommen in zwölf Monaten hat … Stadt&Hund verweist darauf, dass ohne schnelle Gegenmaßnahmen vielen Spielplätzen im Kiez schon bald die vorläufige Schließung droht. Bei Rattensichtung sind z.B. Cafébetreiber oder Nutzer öffentlicher Flächen meldepflichtig. Dies trifft auch auf Spielplätze zu. Gerade Spielplätze sind Brennpunkte des Rattenaufkommens. Hier im Zentrum werden sie quasi rund um die Uhr von unterschiedlichen Menschen genutzt: tagsüber Kinder, abends Jugendliche, nachts Partyvolk. Dementsprechend sind die rattenverwertbaren Hinterlassenschaften zahlreich. Sieht ein Anwohner eine Ratte, schickt das Gesundheitsamt einen Kammerjäger, der versucht, die Ratten zu entfernen. Dies kostet je Einsatz und Spielplatz ca. 2000 bis 3000 Euro. Konkret benennt Wüllner das Horrorszenario, dass in den Sommerferien angesichts der klammen Kassenlage alle Weddinger Spielplätze geschlossen sein könnten, da der Senat keine Mittel für die Kammerjäger mehr habe.

 

Nun heißt es vorbeugen - denn die Müllkampagne liefert nicht nur trockene Theorie, sondern stets auch heiße Praxis. Und die heißt heute: Ratten vertreiben. Für diesen Zweck haben Christoph Wüllner und Rainer Menke von Stadt&Hund über die Berliner Philharmoniker einen Flötisten (quer) engagiert, der nun tirillierend über Weddinger Spielplätze zieht. Aufgeregt quiekend folgen ihm die Ratten bis zur Panke, in der sie schlussendlich jämmerlich ersaufen …

 

Quatsch natürlich. Die Realität ist ein wenig mühsamer. Heute geht's den Ratten an den Futtertrog. Tatsächlich sind die menschlichen Nahrungsreste, die im öffentlichen Raum liegen, Hauptursache für das hohe Nageraufkommen. So liegen laut einer Stadt&Hund-Analyse des Abfallexperten Wüllner entlang der Panke alle 5 Meter Lebensmittelreste. Klar, dass sich dafür vierbeinige Abnehmer finden. Und auch auf Spielplätzen fällt immer mal was daneben. Oder es gibt gar die falschen Mülleimer, an die jede Ratte spielend herankommt. So zieht nun der Trupp los, um auf den Spielplätzen Tafeln zu platzieren, die mit "Bitte nicht füttern!"-Headline und einer abgebildeten Ratte das Problem benennen. Ein bisschen merkwürdig schauen die Kinder und Eltern schon, sind aber auf Nachfrage schnell vom Sinn der Aktion zu überzeugen. Die Schilder sind auf den Spielplätzen vor dem Haus der Jugend, am hinteren Leopoldplatz und in der Adolfstraße zu besichtigen.

 

Bei Fragen zur Gesundheitsgefährdung durch Ratten:

Landesamt für Gesundheit und Soziales, Turmstraße 21, 10559 Berlin

Telefon 90 229 24 24

Email post@lageso.berlin.de

 

Meldung von Rattenbefall:

Gesundheitsamt Mitte von Berlin

Hygiene- und Umweltmedizin

Rathaus Tiergarten, Mathilde-Jakob-Platz 1, 10551 Berlin

Telefon: 9018 33 208

E-Mail: hygiene-umwelt@ba-mitte.berlin.de

 

 

 

 

 

 

Johannes Hayner