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Samstag, 22.11.2014

Viel Erfolg!

Eine Diskussionsveranstaltung im Kiezcafé im Haus der Jugend

Sükran Altunkaynak bei der Begrüßung. Links Gesine Schulze, rechts Katja Krüger vom QM-Team
Aufmerksame Zuhörer
Pavao Hudik mit einer Zeichnung eines Jungen
Hudik verstand es, seine Zuhörer zu fesseln
Amüsiert und aufmerksam
Max Dengler und Sönke Hartmann
Das Video aus der Wiesenburg wurde stimmungsvoll präsentiert

Erfolg. Was ist Erfolg? Nur finanzieller Erfolg? Wer hat Erfolg? Woran messen Menschen Erfolg? Und wofür nutzen sie ihn?     

Unter dem Motto „Jeder Erfolg hat eine Geschichte“ fanden in diesem Herbst zum 12. Mal die Tage des interkulturellen Dialogs statt. Organisiert wird die berlinweite Veranstaltungsreihe mit insgesamt 60 Programmpunkten vom ARiC e. V. (Antirassistisch-Interkulturelles Informationszentrum Berlin e.V.)

Eben diese Geschichten vom Erfolg hatten auch die Gäste, die das Quartiersmanagement Pankstraße im Rahmen der Dialogtage am 12. November ins Café KiezKuchen im Haus der Jugend lud, zu erzählen. Dort gab es eine Talkrunde zum Thema: „Erfolg schafft Zukunft“. Gäste waren Pavao Hudik vom Südost Europa Kultur e.V. und die Architekten Max Dengler und Sönke Hartmann, im Kiez Insidern bekannt als Inhaber des BauFertigLadens in der Reinickendorfer Straße und für ihr Engagement in der Wiesenburg. Das QM hatte einige Fragen an seine Gäste zum Thema Erfolg vorbereitet, aber natürlich waren auch die Fragen aller anderen interessierten Gäste herzlich willkommen.

Mit Pavao Hudik ging die Veranstaltung los. Schon die erste Frage zeigte, dass es hier auch um private Themen geht. Was Hudik denn werden wollte als Kind?, fragte Gesine Schulze vom QM-Team, die die Moderation des ersten Teils übernommen hatte. Als entscheidendes Merkmal seiner Persönlichkeit von Kindheit an nannte darauf Hudik die Neugier. Und sie sei ihm stets Ansporn und Motivation gewesen, was auch immer er gemacht habe. Herr Hudik wollte Künstler werden, als Kind hat er Menschenportärts gezeichnet, er wollte dadurch Menschen besser verstehen. Leider konnte er durch die Bilder die Menschen nicht besser kennenlernen. Aus diesem Grund hat er Psychologie studiert. Heute lacht er über sein Kindheitstraum und sagt: "Es ist gut für die Kunst dass ich sie nicht studiert habe."

Der Südost Europa Kultur e.V., bei dem sich Pavao Hudik engagiert, arbeitet seit 2009 zusammen mit dem QM Pankstraße in zwei Roma Projekten: Roma Horizonte und Roma Streetwork. Durch den Südost Europa Kultur e.V. kam das Wissen über vielfältige Lebensweisen ins Quartier. Pavao Hudik ist in Serbien geboren, in Kroatien aufgewachsen und seine Familie spricht ungarisch: Er trägt sozusagen die kulturelle Vielfalt des Balkans in seiner Biografie. Er studierte in Zagreb Psychologie. Anfang der 1990er Jahren kam er wegen des Krieges in seiner Heimat nach Deutschland, ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein. Dies holte er unter anderem an der Volkshochschule so gründlich nach, dass er schon nach wenigen Jahren eine ungarischsprachige Besuchergruppe in Berlin auf Deutsch führte. Durch den Südost Europa Kultur e.V. und sein Engagement im Migrationsrat Berlin-Brandenburg beschäftigt sich Hudik mit Migranten, die vor allem bei ihrem Neuanfang in Deutschland Hilfe brauchen. Verhaltenstherapie lautet das Stichwort, hier holt sich Hudik den theoretischen Background für seinen praktischen Alltag. Den Migranten aus Jugoslawien, Bosnien, Rumänien und Bulgarien – oft Roma, aber das spielt für Hudik und sein Team eine untergeordnete Rolle - wird ein geregelter Tagesablauf in der deutschen Arbeitswelt vermittelt. Nach ca. sechs Monaten ist die Mehrheit von ihnen stabilisiert. Ziel ist es, Projekte in Schulen, Ausbildungsstätten und an Arbeitsplätzen umzusetzen. Wenn man Hudik nach dem Erfolg  seiner Arbeit fragt sagt er, dass der Verein in 2/3 der Fälle die Arbeit als erfolgreich verbuchen kann. 1/3 der Migranten breche das Projekt ab, meistens wegen Schwangerschaft oder Heirat. Nach dem Ende der „offiziellen“ Befragung durch Gesine Schulze gibt es nun Gelegenheit für alle, Hudik Fragen zu stellen. Dies wird reichlich genutzt, sodass Sükran Altunkaynak vom QM-Team, die nun die Moderation übernimmt, nach einer guten Viertelstunde mit Verweis auf die fortgeschrittene Zeit den Wechsel der Gesprächspartner anordnet.

Im QM Gebiet Pankstraße haben rund 80% der Kinder einen Migrationshintergrund. Viele Jugendliche haben keine Ahnung was sie nach der Schule machen bzw. werden sollen. Aus diesem Grund arbeitet das QM vermehrt mit Studenten zusammen, die den Jugendlichen im Kiez neue Perspektiven vermitteln. So auch die folgenden Gäste Sönke Hartmann und Max Dengler. Sie haben zusammen an der TU Berlin Architektur studiert. Seit 2012 arbeiten sie mit dem QM Pankstraße zusammen. Gemeinsam haben sie zum Beispiel in der Wiesenburg, ein ehemaliges Obdachlosenasyl in der Wiesenstraße 55, das Projekt Sommerwerkstatt Wiesenburg mit Schülern und Bewohnern des Kiezes gestartet. Ziel war es, sein Wissen zu teilen und vom Miteinander zu profitieren. Die Schüler waren sozusagen die Bauherren, die den Architekturstudenten sagten, welche Art von Bildungs- und Freizeiträumen sie sich wünschen. Diese wurden dann gemeinsam konzipiert, entworfen und gebaut. Insgesamt entstanden elf Pavillons, die beispielsweise eine Kochstation, eine Lesekammer, ein Open Air Kino oder eine Werkstation beinhalteten. Am Ende fand ein dreitägiges Festival mit den Kindern statt bevor ein Großteil der Pavillons wieder abgebaut wurde. Die beiden Architekten beschreiben das Projekt als extrem bereichernd und können sogar behaupten, dass die selbst gesetzten Ziele übertroffen wurden. Die jungen Männer beantworteten tapfer alle an sie gerichteten Fragen, wobei sie sichtlich Mühe hatten, ihre Position in zwanzig Jahren zu prognostizieren. Immerhin, sie haben Erfolg (nach eigener Definition) und empfinden ihr derzeitiges Berufsleben als außerordentlich befriedigend.

Zum krönenden Abschluss wurde das in der Wiesenburg gedrehte Musikvideo „Fräulein Sommer“ gezeigt. Das Video wurde als Plansequenz (ohne Schnitt) gedreht und als besondere Raffinesse rückwärts abgespielt. Entstanden ist ein stimmungsvolles Musikvideo mit coolen visuellen Effekten, ergreifenden Darstellern und einem grandiosen Setting, der Wiesenburg. Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung im Rahmen der Tage des interkulturellen Dialogs. Alle Gäste (leider wieder: Es hätten mehr sein sollen!) gingen mit einem Nachdenken über dem gerade gewonnenen Wissens- und Informationszuwachs nach Hause.

Anna Lindner/Johannes Hayner