Sie befinden sich hier: kiez.info - Das Quartier / Wedding-Entdeckungen

Wedding-Entdeckungen - Kiezspaziergang für Kinder

Ein Kiezspaziergang für Kinder, aufgeschrieben und zusammengestellt von Ursula Trüper.
 
 

Osram-Höfe, Oudenarder Straße 16-20

Osram
Die Firma Osram bei Nacht (Mittemuseum am Gesundbrunnen 1957)

Früher war hier eine Glühlampenfabrik der Firma "Osram". Was bedeutet das eigentlich? 1890 entwickelten findige Ingenieure den ersten Metallglühfaden. Sie verwendeten dazu das Metall Osmium. In den nächsten Jahren experimentierte man dann auch mit dem Metall Wolfram. Aus beiden Wörtern enstand der Firmenname "Osram". 1906 wurde das Warenzeichen OSRAM für elektrische Glühlampen beim damaligen kaiserlichen Patentamt angemeldet. Nach dem Ersten Weltkrieg schlossen sich die wichtigsten deutschen Glühlampenhersteller zur Osram GmbH zusammen. 1904 wurde das Glühlampenwerk in der Oudenarder Straße eröffnet, im Jahre 1982 wurde es stillgelegt.

Geburtshaus des Malers Otto Nagel, Reinickendorfer Straße 67

Selbstbildnis mit Hut
Otto Nagel: Selbstbildnis mit Hut (1920)

Otto Nagel war ausgebildeter Glasmaler, arbeitete als Hilfsarbeiter in einer Fabrik und nahm Zeichenunterricht in der Städtischen Abendschule. Als 1919 der Erste Weltkrieg beginnt, kommt Otto Nagel ins Gefängnis, weil er den Kriegsdienst verweigert. Nach dem Ende des Krieges geht er nach Berlin und beginnt zu malen. 1924 wird er nach Russland zu einer Ausstellung eingeladen. Er lernt dort seine Frau kennen, die Schauspielerin Walentina Nikintina - genannt Wally. Die beiden leben lange Jahre in der Turiner Straße 10, 1935 ziehen die Nagels in die Badstraße 65. Otto Nagel und seine Frau sind Gegner der Nazis. 1936 kommt Otto Nagel ins KZ Sachsenhausen. Aber seine mutige Frau schafft es, ihn nach wenigen Monaten wieder freizubekommen. Otto Nagel bekommt Mal-, Ausstellungs- und Verkaufsverbot. Er darf auch nicht mehr in seinem Atelier malen. Deshalb geht er mit seinen Malsachen auf die Straße und malt dort. Auf diese Weise sind uns heute viele Bilder des alten Berlin erhalten, wie es aussah, bevor es im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Nach dem Krieg geht Otto Nagel in die DDR und wird dort ein bekannter Maler. 1967 stirbt er in Biesdorf/Berlin.

 

Wiesen und Kolonisten

Woher hat die Wiesenstraße eigentlich ihren Namen? Es gibt dort keine Wiese weit und breit?

Im 18. Jhd. war das anders. Da bestand der ganze Wedding aus nichts als Wiesen, Feldern und Wald. Damals siedelte der Preußenkönig Friedrich II hier sogenannte "Kolonisten" an. Kolonisten waren Leute, die von der Regierung Land und ein Haus bekamen, außerdem Vieh, Obstbäume, Saatgut und Ackergeräte. Sie mussten sehr wenig Steuern bezahlen. Fadür sollten sie auf dem ungesnutzen Land Getreide, Gemüse und Obst anbauen und in Berlin verkaufen.

Vor 200 Jahren lebten ungefähr 25 Kolonsitenfamilien am Gesundbrunnen. Ihre Häuser waren ziemlich klein: Immer zwei Familien lebten in einem Kolonistenhaus. Außerdem gehörte noch ein Garten dazu. Es gibt noch ein altes Kolonistenhaus von 1783 im Wedding, in der Koloniestraße 57.


Das Jüdische Krankenhaus, Heinz-Galinski-Straße 1

Jüdisches Krankenhaus

Das jüdische Krankenhaus wurde 1905 im Wedding gebaut nachdem das ursprüngliche jüdische Krankenhaus in der Augustraße zu klein geworden war. Es war einmal eines der angesehensten Krankenhäuser von Berlin.

Dann kamen die Nazis an die Macht. Alle nicht- jüdischen Patienten mussten das Krankenhaus verlassen. Die Gestapo ("Geheime Staatspolizei" – eine Nazi-Polizeiorganisation) plünderte das Krankenhaus und transportierte Betten, Matratzen, Wäsche usw. auf Lastwagen ab. Sie beschlagnahmte auch das Vermögen des jüdischen Krankenhauses.

Bis zum Ende des 2. Weltkrieges richteten die Nazis auf dem Gelände des Jüdischen Krankenhauses eine Art Gefangenlager für Juden ein, die dort auf ihren Transport in die Konzentrationslager warten mussten. Es gab auch eine sogenannte "" für jüdische Kinder, deren Mütter bereits im Konzentrationslager waren. All diese Menschen lebten unter schrecklichen Bedingungen, sie bekamen kaum etwas zu essen und mussten hart arbeiten.

Im April 1945 kam endlich das Ende des Krieges und der Nazi- Zeit. Die Bewohner des Jüdischen Krankenhauses wurden durch die Rote Armee befreit. Heute ist das Jüdische Krankenhaus ein modernes Krankenhaus, wo auch Ärzte und Krankenschwestern ausgebildet werden.

Die Arnheimische Tresorfabrik, Badstraße 40/41

Arnheimische Tresorfabrik
Wohnhaus der Arnheimischen Tresorfabrik

In der Badstraße 41/42 wohnten früher die Arbeiter und Angestellten der Arnheimschen Tresorfabrik. Der Fabrikant Carl Arnheim ließ es vor über 100 Jahren erbauen. Dahinter liegen die Fabrik-Hallen. Heute hat die Universität der Künste diese Hallen gemietet für Bildhauer und andere Künstler.

Die Tresore der Firma Arnheim waren einst weltberühmt, weil sie so stabil waren. 1929 gelang es allerdings zwei Berliner Einbrechern, den Brüdern Sass einen Arnheim-Tresor zu knacken. Das war in einer Bank in der Bayreuther Straße. Die Brüder hatten einen Tunnel vom Keller des Nachbarhauses in den Tresorraum gegraben und ihn von innen verriegelt. Nun konnten sie in aller Ruhe insgesamt 179 Schließfächer aufbrechen, in denen sich viel Geld und Schmuck befand. Die Angestellten der Bank hörten zwar, wie die Brüder im Tresorraum "arbeiteten", aber sie konnten nichts machen. Die Stahlwände waren so stabil, dass niemand von außen reinkonnte. Nicht einmal die Monteure der Firma Arnheim konnten die von innen verriegelte Tür öffnen.

Schließlich musste die Bank-Direktion Handwerker kommen und eine Wand einreißen lassen. Nach drei Tagen harter Arbeit gelang es dann, in den Tresorraum einzudringen. Aber da waren Franz und Erich Sass schon lange weg. Nur eine leere Sektflasche hinterließen sie am Tatort.
 

Luisenbad mit Kafé-Küche

Kafé Küche
ehemaliges Kafé-Küche- heute Puttensaal

Wo heute die Bücherei am Luisenbad steht, gab es früher einen Brunnen mit einer heilsamen Quelle, deshalb heißt der ganze Kiez heute noch Gesundbrunnen und die Straße Badstraße. Viele Berliner kamen hierher, um in der Quelle zu baden, wenn sie krank waren. Auch die Königin Luise kam im Sommer 1799 mehrmals hierher. Deshalb nannte man das Bad dann später Luisenbad.

1874 wurde hier ein Schwimmbad gebaut, das Marienbad. Außerdem eine Selbstbedienungs-Gaststätte, die "Kafé-Küche". Dort konnten sich Familien den Kaffee selbst aufbrühen und an Tischen im Freien ihre Stullen verzehren, die sie von zuhause mitgebracht hatten. Manchmal wurde dort abends auch Theater gespielt oder getanzt. Den Saal wo das stattfand, kann man heute noch besichtigen- man nennt ihn Puttensaal.

Dann wurde die Quelle bei Bauarbeiten angestochen und hörte auf zu fließen. Deshalb haben wir heute leider keine Heilquelle mehr im Wedding.

Mitte Museum am Gesundbrunnen

Mitte Museum Gesundbrunnen
Mitte Museum am Gesundbrunnen, Pankstraße

Das Mitte Museum am Gesundbrunnen wurde im Jahr 1865 erbaut und war früher ein Schulhaus. Schon damals gehörte der Wedding bereits zu Berlin und erfreute sich als Wohnort immer größerer Beliebtheit.

Das Schulhaus hatte damals zwei Eingänge und zwei separate Schulhöfe, einen für Jungen und einen für Mädchen.

Das Gebäude wurde bis 1953 als Schule genutzt. Später zog die 15. Grundschule in die Wiesenstraße neben die 14. Grundschule und im Museumshaus zog die Berufsschule für Schornsteinfeger ein.

Später beherbergte das heutige Mitte Museum dann das Arbeitsamt für Wedding, Reinickendorf und Pankow. Außerdem wurde regelmäßig Essen für arme Leute ausgegeben und im Schulhof eine beheizbare Wärmehalle für Obdachlose erbaut.

Das Mitte Museum am Gesundbrunnen, in seiner heutigen Form besteht seit 1989.

Amtsgericht

Amtsgericht Wedding
Das Amtsgericht Wedding und der Brunnenplatz

Das Amtsgericht sieht aus wie eine Ritterburg aus dem Mittelalter, es ist aber erst 100 Jahre alt. Es wurde 1901 bis 1906 von den Architekten Rudolf Mönich und Karl Tesenwitz gebaut. 
 
Man kann reingehen und steht dann in einem riesigen Treppenhaus. Rechts und links der Treppen sieht man zwei weibliche Figuren. Sie stellen die "Wahrheit" und das "Gute" dar.

Bitte ganz leise sein, im Amtsgericht wird gearbeitet.


Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 8.30 – 13.00 Uhr
Donnerstag auch von 14 – 15 Uhr

 

 

Die Panke

Panke

Früher konnten die Berliner Kinder in der Panke Fische fangen und baden. Später siedelten sich immer mehr Fabriken und Handwerksbetriebe an der Panke an. Sie leiteten ihr Abwasser direkt ins Wasser vor ihrer Haustür. Aus dem klaren Wiesenfluss wurde die berüchtigte "Stinkepanke". Das Baden wurde verboten und die Fische starben aus.

Heute ist das anders. Es wird kein Abwasser mehr in die Panke geleitet. Und es gibt dort auch wieder Fische. Nach dem Krieg ließ der Baustadtrat Walter Nicklitz entlang der Panke einen Grünzug anlegen, die Walter-Nicklitz-Promenade. 

Heute kann man zu Fuß die ganze Panke entlang gehen von der Panke- Mündung an der Friedrichstraße bis nach Bernau (ungefähr 28 km). Man kann sehr gut mal einen Wandertag dahin machen.

Yunus-Emre-Camii, Reinickendorferstr. 38/39

Yunus Emre
Besuch von Studenten in der Yunus Emre Moschee

Yunus Emre war ein Dichter, der vor ungefähr 700 Jahren lebte. Camii ist ein türkisches Wort und heißt Moschee. Die Yunus-Emre Moschee ist seit über 20 Jahren im Wedding. Zuerst war sie in der Utrechter Straße, seit 2006 ist sie in die Reinickendorfer Straße umgezogen. Sie ist als Verein organisiert und gehört zu der türkischen Dachorganisation DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion).

Der Imam kommt aus der Türkei und sein Gehalt wird vom türkischen Staat finanziert.

Vorsitzender des Moscheevereins der Yunus-Emre Moschee ist Herr Kaya. Er erinnert sich, dass es in den 60er Jahren im ganzen Wedding nur eine einzige Moschee gab. Aber dann zogen immer mehr türkische und später auch arabische Familien hierher, und die wollten natürlich auch ihre islamische Religion ausüben. Inzwischen gibt es sehr viele Moscheen im Wedding.

Das Quartiersmanagement Pankstraße arbeitet weiterhin mit fogenden Moschee zusammen:

  • Bayezid Moschee (VIKZ), Lindower Straße 18, Tel: 4617026
  • Eyüp Sultan Moschee, Lindower Straße 24, Tel: 0172/3941606

Barrikaden an der Kösliner Straße

Kösliner Straße

Heute ist die Kösliner Straße eine friedliche und etwas langweilige Straße. Viel Grün, helle freundliche Häuser mit Balkons und Mietergärten, an einem Spazierweg entlang der Panke gelegen. Wer hier wohnt, lebt gern hier.

Das war nicht immer so. Früher lebten hier mehrere tausend Menschen auf engstem Raum. Viele Familien hatten nur ein Zimmer. Die meisten Kinder hatten kein eigenes Bett. 1929 ging es den Bewohnern der Kösliner Straße besonders schlecht. Auf der ganzen Welt herrschte eine große Wirtschaftskrise. Fast die Hälfte aller Arbeiter und Angestellten Berlins waren arbeitslos. Sie bekamen nur ganz wenig Arbeitslosengeld, und viele Familien mussten richtig hungern oder aus ihrer Wohnung ausziehen, weil sie die Miete nicht bezahlen konnten. Als dann der Polizeipräsident von Berlin auch noch die 1. Mai-Demonstration verbot, war das Maß voll.

Am 1. Mai 1929 demonstrierten viele Berliner einfach trotzdem: 
Die Polizei ging brutal gegen sie vor, und zwar nicht nur mit Gummiknüppeln, sondern sogar mit Maschinengewehren und Panzerwagen. Es war fast wie im Krieg. Um sich zu schützen bauten die Anwohner über die Wedding- und die Kösliner Straße aus herumliegendem Baumaterial mehrere Straßensperren – man nannte sie damals Barrikaden. 33 Menschen wurden damals von den Polizeigewehren verletzt, auch Frauen und Kinder, 19 von ihnen sind gestorben. Heute steht an der Ecke Wiesenstraße / Kösliner Straße ein Gedenkstein, der an diese Vorfälle erinnert.

 

Tatlicilar- Feingebäckproduktion, Gerichtstraße 13

Die Gewerbehöfe in der Gerichtstraße 13 gibt es schon über 100 Jahre. Heute produziert dort die Firma TATLICILAR Baklava, türkische Süßwaren, für den Großhandel. Der Leiter des Betriebes ist Ertan Saydam. 14 Mitarbeiter hat sein Unternehmen.

Der Gründer dieser Firma, Saydams Vater, stammt aus Konya in der Türkei. Früher arbeitete er dort als Frisör. Er fuhr mit seinem Fahrrad von Dorf zu Dorf, um den Leuten die Haare zu schneiden. 1969 kam er nach Berlin. Er arbeitete zuerst bei Siemens und dann in einer Tischlerei. Irgendwann beschloss er, sich mit einem eigenen Laden selbstständig zu machen. Als er eine Bäckerei pachten konnte, griff er zu. Er machte zuerst türkisches Fladenbrot. Später kamen dann noch türkische Süßigkeiten dazu. Seine beiden Söhne halfen von Anfang an im Laden mit.

Bis nach London, Paris oder Oslo wird das türkische Feingebäck aus der Gerichtstraße 13 geliefert.

Die Wiesenburg, Wiesenstraße 55

Wiesenburg

Die Wiesenburg war früher ein Wohnheim für Obdachlose. Sie wurde vor über 100 Jahren, 1896, gebaut. Viele reiche Berliner, z.B. der Arzt Rudolf Virchow, der Molkereibesitzer Carl Bolle und der Fabrikant August Borsig waren Mitglieder im "Berliner Asyl-Verein". Sie wollten mit einem Teil ihres Reichtums etwas für die ganz Armen tun, für Menschen, die sich keine Wohnung leisten können. Das waren damals sehr viele Menschen. In der Zeit um 1870 zogen Tausende Menschen vom Land nach Berlin, um dort Arbeit zu finden. Es gab nicht genug Wohnungen. Wer doch eine Wohnung fand und seine Arbeit verlor und dann die Miete nicht mehr bezahlen konnte wurde einfach rausgeworfen, denn Wohngeld gab es nicht.


Damit all diese Menschen nicht immer auf der Straße leben mussten, war das Obdachlosenasyl in der Wiesenstraße gebaut worden. Es gab dort ein Männer- und ein Frauenasyl mit fast 900 Betten für Männer und 400 Plätzen für Frauen. Jedes Jahr übernachteten dort über 300.000 Menschen. Sie durften 4 Nächte im Monat dort wohnen, konnten baden oder duschen und ihre Kleider waschen. Außerdem bekamen sie etwas zu essen (es gab sogar eine Bibliothek dort). Für die Obdachlosen war es toll, endlich mal wieder sauber und satt zu sein und sogar die Zeitung lesen zu können.

Es gab sogar einige berühmte Obdachlose die in der Wiesenburg unterkamen: z.B. der Schuster Wilhelm Voigt, berühmte "Hauptmann von Köpenick" lebte eine zeitlang dort. Ebenso der Schriftsteller Hans Fallada, der diese Zeit in seinem Roman: "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst" verarbeitete.

Heute bildet die Wiesenburg oft den Hintergrund von Filmen. Z.B. die Filme "Lili Marleen" oder "Die Blechtrommel" und viele "Tatorte" sind in der Wiesenburg gedreht worden. Ihr könnt Euch mit Eurer Klasse telefonisch bei der Eigentümerin, Frau Dumkow, anmelden und sie bitten, dass sie mit Euch eine Führung durch das Gelände macht. 
 



Nettelbeckplatz

Nettelbeckplatz
So sah der Nettelbeckplatz 1965 aus (Mittemuseum am Gesundbrunnen)

Der Nettelbeckplatz war früher kein freier Platz, sondern ein Verkehrsknotenpunkt für Autos und Straßenbahn. Seit 1985 sieht der Platz so aus wie wir ihn heute kennen. Mitten auf dem Nettelbeckplatz gibt es einen Brunnen. Der Brunnen stellt den "Tanz auf dem Vulkan" dar und wurde 1988 von der Künstlerin Ludmilla Seefried-Matejkowa geschaffen.
 

Urnenfriedhof

Urnenfriedhof
So sah der Urnenfriedhof früher aus (Mittemuseum am Gesundbrunnen)

Der Weddinger Urnenfriedhof ist der älteste Weddinger Friedhof, in dem Feuerbestattungen durchgeführt wurden. Das wurde von einem privaten Verein organisiert, dem "Verein für Feuerbestattungen". 1910 wurde die Friedhofshalle erbaut und erst ein Jahr später wurden dann in Berlin Feuerbestattungen erlaubt.

Vor 100 Jahren waren die christlichen Kirchen, vor allem die katholische, dagegen, dass man den Körper von toten Menschen verbrennt. Sie dachten diese Menschen könnten dann am Jüngsten Tag nicht auferstehen, weil ja ihr Körper nicht mehr da ist. Die Mitglieder des "Vereins für Feuerbestattungen" hielten das für Unsinn. Viele von ihnen standen den beiden christlichen Kirchen kritisch gegenüber und setzten sich auch für die Jugendweihe (statt der Firmung oder Konfirmation) und den Lebenskundeunterricht in der Schule (statt des Religionsunterrichts) ein.
 
Zum Beispiel Max Seivers (1887- 1949), der Sekretär des "Verbandes für Freidenkertum und Feuerbestattung". Sein Grab befindet sich auf dem Urnenfriedhof Wedding, auf der rechten Seite direkt vor dem Krematorium. Wenn Du dann weitergehst findest Du ein Schild: Zu den Kolumbarien. "Kolumbarium" ist ein lateinisches Wort und heißt eigentlich "Taubenhaus". Und genau so sehen viele der Nischen aus, in denen die Urnen mit der Asche der Verstorbenen stehen. Den Urnenfriedhof Wedding kann man mit Schulklassen oder Gruppen besichtigen.

Das Clara-Grunwald-Haus, Ruheplatzstraße 13

Clara Grunwald
Clara Grunwald

An der Ecke Ruheplatzstraße/ Schulstraße gibt es eine große Kindertagesstätte. Das haus heißt Clara-Grunwald-Haus. Wer war eigentlich Clara Grunwald?
 
Clara Grunwald war Lehrerin. Sie kam 1877 zur Welt. Als junge Lehrerin merkte sie sehr schnell, was sie an der Schule als Erstes ändern wollte: Sie wollte die Noten abschaffen. Die Kinder, die schlechte Noten bekamen, gaben sich deswegen nicht mehr Mühe beim Lernen und schlauer wurden sie davon auch nicht. Als Clara Grunwald die Bücher der italienischen Pädagogin Maria Montessori kennen lernte, war sie begeistert von ihren Ideen. Darum versuchte sie, diese auch in Deutschland zu verwirklichen. Die Kinder sollten nicht mehr nur still sitzen und zuhören in der Schule, sondern sie sollten möglichst viel selbständig tun können. Dabei sollten sie aus ihren eigenen Erfahrungen lernen. Das war damals etwas völlig Neues.

In den Schulen konnte Clara Grunwald diese Ideen von Maria Montessori nicht verbreiten, aber sie gründete Kinderhäuser, in denen es den Kindern besser gehen sollte. 1924 z.B. gründete sie ein Volkskinderhaus im Wedding am Leopoldplatz. Außerdem gründete sie 1925 die Deutsche Montessori- Gesellschaft, um möglichst viele Eltern, Kindergärtnerinnen und Lehrer von diesen neuen Erziehungsmethoden zu überzeugen.

Als 1933 die Nazis an die Macht kamen wurden solche Kinderhäuser verboten und geschlossen. Clara Grunwald war Jüdin und wurde deshalb aus dem Schuldienst entlassen. 1943 wurde sie in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert, wo sie 1943 von den Nazis umgebracht wurde.

 

Die alte Nazareth-Kirche, Leopoldplatz

Alte Nazarethkirche

Die Alte Nazarethkirche ist eine evangelische Kirche. Nazareth-Kirche heißt sie nach dem Ort Nazareth im alten Palästina. Dort ist Jesus, der Gründer der christlichen Religion, aufgewachsen. Das war vor ungefähr 2000 Jahren.

Der Architekt der die Alte Nazareth-Kirche entworfen hat ist sehr berühmt, er heißt Karl Friedrich Schinkel. Als die Alte Nazarethkirche gebaut wurde (das war 1832- 35), gab es entlang der Müllerstraße noch viele Wiesen und Felder. Außerdem standen hier viele Windmühlen, daher hat die Müllerstraße ihren Namen. Für die wenigen Menschen die hier lebten genügte die kleine Kirche am Leopoldplatz. Aber es zogen immer mehr Leute in den Wedding und die Kirche wurde zu klein, deshalb baute man dahinter eine zweite größere Kirche, die Neue Nazarethkirche. Vor ungefähr 100 Jahren wurde die Alte Nazarethkirche zum Gemeindehaus umgebaut und man zog eine Zwischendecke ein. Heute wird sie wieder als Gottesdienstraum genutzt, zudem befindet sich ein Kindergarten in der Nazarethkirche.

Karl-Schrader-Haus, Malplaquetstraße 16b

Karl Schrader Haus
Das Karl-Schrader-Haus heute

An der Ecke Liebenwalderstraße / Malplaquetstraße steht ein schönes altes Haus, das Karl- Schrader-Haus. Unten drin befindet sich ein Lokal. Über dem Eingang auf der Außenfassade steht in verschnörkelter Schrift: "Karl Schrader".
 
Karl-Schrader

Karl Schrader lebte von 1834-1913. 1872 kam er nach Berlin und wurde dort Direktor der Anhalter Bahn. Später begründete er gemeinsam mit anderen die Berliner Baugenossenschaft. Die Idee der Berliner Baugenossenschaft war, dass auch Leute, die nicht so viel Geld hatten, in schönen und bequemen Häusern wohnen sollten. Zum Beispiel die Leute aus dem Wedding.

Wichtig war, dass diese Häuser einen Gemeinschaftsraum hatten, in dem sich die Leute aus dem Haus treffen konnten, z.B. wenn sie etwas gemeinsam besprechen oder ein Fest feiern wollten. Auch das Karl-Schrader-Haus hat einen Gemeinschaftsraum. Der wird auch heute noch für Veranstaltungen genutzt, z.B. vom "Erzählcafé".

Wenn du mit deiner Klasse den Gemeinschaftsraum mal von innen anschauen willst, müsst ihr euch vorher anmelden. Dann kann euch jemand den Raum aufschließen und euch einen uralten Ofen zeigen- mit dem Kopf von Karl Schrader.

Henriette Schrader–Breymann

Henriette Schrader-Breymann
Henriette Schrader-Breymann

Die Frau von Karl Schrader, Henriette Schrader–Breymann, hat von 1827-1899 gelebt. Damals meinten viele Leute, dass Frauen nicht arbeiten und eigenes Geld verdienen sollen. Man dachte, es reicht aus, wenn die Frauen heiraten, Kinder bekommen und von ihrem Mann versorgt werden.

Aber Henriette Breymann hatte keine Lust, zuhause herumzusitzen und auf einen Mann zu warten. Sie machte eine Ausbildung als Erzieherin und gründete später eine Privatschule für Mädchen. Erst mit 45 Jahren heiratete sie Karl Schrader. Sie ging mit ihm nach Berlin. Dort übernahm sie zunächst die Leitung eines Kindergartens, später gründete sie eine Schule für Erzieherinnen. Die gibt es heute noch, das Pestalozzi-Fröbel-Haus in der Barbarossastraße in Schöneberg.

Bücher zum weiterlesen: Einige Literaturtipps zu den einzelnen Stationen

  • Berger, Manfred: Clara Grunwald. Wegbereiterin der Montessori-Pädagogik. Frankfurt/Main 2000.
  • Berger, Manfred: Henriette Schrader-Breymann: Leben und Wirken einer Pionierin der Mädchenbildung und des Kindergartens. Frankfurt/Main 1999.
  • Boberg, J. / Fichter, T. / Gillen, E.: Exerzierfeld der Moderne. Industriekultur in Berlin im 19. Jahrhundert. Bd. I. München 1984.
  • Bodenschatz, Harald: Platz frei für das neue Berlin. Berlin 1987.
  • Das Kummerrad / Detli Dolap. Gedichte türkisch/deutsch von Yunus Emre. Übers. von Zafer Senocak.
    Dettmer, Claus: Wedding. Berlin 1988.
  • Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frisst.
  • Geist, Johannes / Kürvers, Klaus: Das Berliner Mietshaus, 3 Bände. München 1984ff.
  • Grunwald, Clara: Montessori Erziehung in Familie, Kinderhaus und Schule. Berlin o. J.
  • Hartung von Doetinchen, Dagmar / Winau, Rolf (Hg.): Zerstörte Fortschritte. Das Jüdische Krankenhaus in Berlin 1756 – 1861 – 1914 – 1989. Berlin 1989.
  • Keffel, Andreas (unveröff. Diplomarbeit): Kunst-Asyl Wiesenburg. Technische Fachhochschule Berlin 2003.
  • Kühl-Freudenstein, Olaf / Noss, Peter, Wagner, Claus P. (H.): Kirchenkampf in Berlin 1932-1943. 42 Stadtgeschichten. Berlin 1999.
  • Lang, Gabriele / Gestel, Joachim: Heimatmuseum Wedding. In: Berliner Heimatmuseen. Zwölf Wege in die Stadtgeschichte. Berlin 1989.
  • Larsen, Egon: "Und doch gefällt mir das Leben". Die Briefe der Clara Grunwald. Mannheim 1985.
    Müller, Bernhard (Hg.): Wedding. Wege zu Geschichte und Alltag eines Berliner Arbeiterbezirks. Berlin 1990.
  • Nagel, Otto: Leben und Werk. Autobiographie. Einführung von Max Schröder. Berlin 1952.
  • Nagel, Wally: Das darfst du nicht! Erinnerungen. Halle / Leipzig 1981.
  • Neukrantz, Klaus: Barrikaden am Wedding. Der Roman einer Straße aus den Berliner Maitagen 1929. Erstmalig erschienen 1931. Neuaufgelegt Berlin 1988.
  • Ossietzky, Carl von: Zörrgiebel ist schuld! In: Die Weltbühne. Vollst. Nachdruck der Jge 1918-1933. Königstein 1978.
  • Otto Nagel. Berliner Bilder – Berlin im Bilde. Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin 1994 und im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin 2003, Werke aus der Otto-Nagel-Sammlung der Landesbank Berlin, Berlin 1994/2003.
  • Sandvoß, Hans-Rainer: Widerstand in Wedding und in Gesundbrunnen. Berlin 2003 (gibt es kostenlos in der Gedenkstätte deutscher Widerstand, Stauffenbergstr. 13/ 14, 10785 Berlin).
  • Schwarz, Karl: Berlin: Von der Residenzstadt zur Industriemetropole. Bd. II, Berlin 1981.
  • Von Oertzen, Christine / Jäger, Gabriele: Boulevard Badstraße. Großstadtgeschichte im Berliner Norden. Berlin 1993.
  • Wohnsitz Nirgendwo. Vom Leben und Überleben auf der Straße. Berlin 1982

    Internet
    Zu vielen Orten in Berlin und also auch im Wedding findest Du Informationen unter
    www.luise-berlin.de