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Wo Streichhölzer tanzen und Zahlen wandern

Herbstfest des Kulturellen Bildungsverbundes Pankstraße in der Bibliothek am Luisenbad

Entspannte Atmosphäre beim Herbstfest
Teilnehmer im Dialog-Spiel
Mit Spaß dabei
Von 1 bis 10 - alles dabei!

„Tue so als wenn du ein Kind bist!“ lautete die Aufgabe, die sich für alle Teilnehmer durch den gesamten Abend zog. Denn von ihren Zöglingen war an diesem 10. September 2014 um 18 Uhr niemand anwesend in der Bibliothek am Luisenbad. Also mussten die Pädagogen der Partnereinrichtungen des Kulturellen Bildungsverbundes selber ran!

Eingeladen hatte der Verbund zu einem Herbstfest. Während des Festes wollten verschiedene Pädagogen Beispiele vorstellen, wie sie bei der Vermittlung ihrer Inhalte praktisch vorgehen. Und da, wie gesagt, keine Kinder da waren, mussten halt Erwachsene Kinder spielen. Dies allein ist für viele schon eine revolutionäre Vorstellung. Ziel des Kulturellen Bildungsverbundes ist es, in Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen durch Darstellendes Spiel und Tanz Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen zu entwickeln und zu stärken. „Miteinander arbeiten heißt voneinander wissen, einander einladen, miteinander gute Erfahrungen machen, dadurch Vertrauen schaffen […] und neue Projekte kreieren.“ Unter diesem Motto stand der heutige Abend. Das vom QM Pankstraße geförderte Projekt Kultureller Bildungsverbund läuft Ende 2014 aus. Angestrebt und verabredet ist, dass die Partnereinrichtungen die Kooperation weiterführen. Nach dem, was dieser Abend ans Licht brachte, kann man nur hoffen, dass diese Verstetigung langfristig trägt.

Nicht nur die Stimmung war harmonisch, auch das Ambiente im barocken Puttensaal, welcher eine Zeit des pädagogischen Aufschwunges repräsentiert, passte. Nach einer Stärkung am leckeren Buffet sollte auch alsbald das Tanzbein geschwungen werden.

Doch zunächst stellten die Theaterpädagogen Inga Kammerer und Bernd Henning ihr Projekt „Mathematikbewegung“ vor. Sie nahmen die Mathematikschwächen der vergangenen Abschlussklassen als Anlass, ein Projekt zu entwickeln, in dem Zahlen in Verbindung mit Theater und Choreografie gebracht werden sollen, um somit mathematische Strukturen erlebbar zu gestalten. Um das Ganze für jedermann anschaulich zu präsentieren, fanden sich schnell 16 Freiwillige, die mit jeweils einer Zahl um den Hals bestückt ganz nach der klassischen Theaterpädagogik quer durch den Raum wandern sollten. Nun wurden verschiedene Aufforderungen nach Sortierungen, mal aufsteigend, mal als teilbares Pärchen, an die wandernden Nummern herangetragen. Nachdem die knobelwütigen Pädagogen erfolgreich und gut gelaunt alle ihnen gestellten Aufgaben gelöst hatten, ging es im Tanzschritt weiter.

Christian Tonirogge zeigte Einblick in seinen Unterricht. Und da er nicht nur in der Weddingschule sondern auch in der KITA Reinickendorfer Straße Projekte anbietet, brauchte er vier „kleine Kinder“ für seine Präsentation. Auch hierfür fanden sich wagemutige Kandidaten, die nun auf dem Boden kniend mitverfolgten, wie vor ihnen ein Streichholz anfing zu tanzen. Tapfer ließen sie zusammen mit dem Streichholz ihren Kopf, ihre Arme und dann ihre Beine zur Musik tanzen. Falls nun eine oder einer der Freiwilligen einen roten Streichholzkopf hatte, so lag dies nicht an Scham, sondern an der Anstrengung beim Tanz.

Nach diesem sehr lebhaften Einblick ergriffen Kalle Mille und Ole Tietjen das Wort. Anhand dreier kurzer Übungen wollten sie ihre Arbeitsweise vorstellen. Diesmal mussten jedoch alle Anwesenden ran, und zwar in einem Kreis, jeweils als Paar gegenüber aufgestellt. Diese Übung sollte zum Kennenlernen innerhalb einer Gruppe beitragen. Unter musikalischer Begleitung begann die Reise zu dem unbekannten Partner. Dann stoppte die Musik. Die wandernde Meute blieb stehen und die beiden neu gefundenen Partner erzählten sich alles, was sie zu dem vorgegebenen Thema zu sagen hatten. Nach allgemeiner Belustigung durch diese erste Übung folgt auch schon die nächste. Anhand zweier Seil springender Personen, wobei nur eine mit einem Seil ausgestattet war, wollten die beiden Theaterpädagogen die Herangehensweise  ihrer Pädagogik verdeutlichen. Die im Gegensatz zur klassischen Theaterpädagogik nicht mit Rollen arbeite sondern mit den Erfahrungen, die das jeweilige Kind mit sich bringe. Die letzte Übung war genau passend für ein in sich Kehren und als Ausklang dieses Abends. Zwei Gruppen wurden gebildet. Eine fungierte als Publikum, die andere stellte sich dieser gegenüber auf und hatte zur Aufgabe, drei Minuten ohne Regung auszuharren, den Blick starr auf einen Punkt bei den Zuschauern gerichtet. Danach wurde gewechselt. Beobachter und Beobachtete brachten auch diesen Part erfolgreich hinter sich, nun gut gefüllt mit Anregungen und Selbstbeobachtungen.

Nach einem regen Austausch über diese spannende Übung fand das offizielle Programm sein Ende und es wurde zum Austausch untereinander eingeladen. So viel lässt sich schon sagen: Langweilig war dieses Treffen des kulturellen Bildungsverbundes für niemanden. Viel gab es bestimmt zu berichten, zu erfragen und zu planen. Und ganz sicher gab es auch neue Impulse für die tägliche Arbeit durch diesen ausgelassenen und interessanten Abend.

Text: Sophie Rothbarth/Johannes Hayner, Fotos: Sophie Rothbarth