Ein Projekt wächst: Sportliche Angebote für Mädchen im Quartier 

Vor rund einem Jahr startete im Quartier Pankstraße das Projekt „Sportliche Angebote für Mädchen und junge Frauen“ von ALBA BERLIN. Es knüpft an die Erfahrungen aus der bewegungsorientierten Jugendarbeit rund um den Basketballplatz an der Albert-Gutzmann-Schule an. Der Court wurde vor allem von Jungen und jungen Männern genutzt. Das neue Projekt sollte deshalb gezielt Mädchen ansprechen, ihnen einen Zugang zu Sport ermöglichen und Räume schaffen, in denen sie sich sicher ausprobieren können. Ein Jahr später hat sich aus dem Projekt ein Netzwerk aus Sportangeboten, Einrichtungen und persönlicher Beziehungsarbeit entwickelt. Projektleiterin Nora Fastabend berichtet, was sich verändert hat und warum es oft am besten funktioniert, dorthin zu gehen, wo Mädchen bereits sind.

Projektleiterin Nora Fastabend Foto: ALBA Berlin

„Wenn wir einen Platz einfach für alle öffnen, kommen größtenteils Jungs. Sie nehmen die Plätze ganz selbstverständlich für sich in Anspruch“, sagt Nora Fastabend. „Für ein einzelnes Mädchen ist es dann schwer, sich willkommen zu fühlen. Deshalb braucht es gezielt geschaffene Räume, in denen Mädchen sich ausprobieren können, ohne das Gefühl zu haben, dort nicht hinzugehören“.

Dabei gehe es nicht nur um Basketball oder andere Sportarten, sondern auch um das eigene Körpergefühl und die Frage, in welchem Setting man sich wohl und selbstsicher fühlen kann. Dazu kommen klassische Rollenbilder und fehlende weibliche Vorbilder, an denen sich Mädchen orientieren können. Trotzdem sieht Fastabend eine deutliche Entwicklung: „Es verändert sich gerade etwas. Weil es mehr Angebote für Mädchen gibt, wird auch sichtbarer, dass Mädchen selbstverständlich Sport machen.“

“Wir gehen mit dem Projekt dorthin, wo die Mädchen sind”

Eine der größten Erkenntnisse aus dem ersten Projektjahr betrifft die Frage, wie Mädchen überhaupt erreicht werden können. Die anfängliche Idee, vor allem über Öffentlichkeitsarbeit und direkte Ansprache am Basketballplatz neue Teilnehmerinnen zu gewinnen, erwies sich als weniger erfolgreich als erhofft. „Wir haben gemerkt, dass es viel besser funktioniert, dahin zu gehen, wo die Jugendlichen sowieso schon sind“, erklärt Fastabend. Deshalb arbeitet ALBA im Projekt eng mit Mädchen- und Jugendeinrichtungen im Quartier zusammen. Dazu gehören unter anderem der DRK-Jugendladen und Angebote von Clara Outreach. Auch Schulen, Nachbarschaftsangebote, Sommerfeste und weitere Veranstaltungen im Quartier werden genutzt, um Mädchen zu erreichen.

Die Kooperation mit den Einrichtungen schafft eine wichtige Vertrauensbasis. „Beziehungsarbeit ist eigentlich das Allerwichtigste“, sagt Fastabend. Die Mädchen können Nora zunächst in den Einrichtungen kennenlernen. Anschließend kommen Sportangebote hinzu, ohne dass die Jugendlichen dafür zuerst einen ihnen unbekannten Ort aufsuchen oder sich in einer neuen Gruppe zurechtfinden müssen. 

Das Projekt bietet an verschiedenen Orten offene und niedrigschwellige Sportangebote und verbindet diese mit Netzwerkarbeit und sozialpädagogischen Ansätzen. Dabei entstanden auch Entwicklungen, die über die unmittelbaren Projektangebote hinausreichen. Einzelne Mädchen konnten beispielsweise an Basketballvereine vermittelt werden und trainieren dort inzwischen regelmäßig. Zwei weitere Mädchen wurden an Safe-Hub zum Fußballspielen vermittelt und sind dort aktiv. Für das Projekt ist genau dieser Übergang ein wichtiger Erfolg: vom ersten niedrigschwelligen Kontakt über regelmäßige Bewegung bis hin zur dauerhaften Teilhabe am Sport. 

Ein weiteres wichtiges Element sind Besuche bei den Profispielerinnen von ALBA. Die Mädchen können dort nicht nur Basketball auf hohem Niveau erleben, sondern auch erfahren, dass Frauensport eine eigene Fankultur und große Sichtbarkeit haben kann. „Viele wissen gar nicht, dass es auch ein Frauenteam gibt, das eine Halle füllen kann“, berichtet Fastabend. Gerade solche Erlebnisse können helfen, neue Vorbilder zu schaffen.

Wie sehr sich das Bild innerhalb eines Jahres verändern kann, zeigte sich beim Frühlingsfest des ALBA-Jugendclubs an der Albert-Gutzmann-Schule. Dort waren besonders viele Mädchen dabei, gleichzeitig wurde das Fest von zahlreichen FLINTA*-Coaches mitgestaltet. Für Fastabend war das ein sichtbares Zeichen dafür, dass das Projekt Wirkung zeigt: „Man merkt, dass sich etwas im Bild verändert hat.“

Basketballplatz am neuen Schulstandort © Florian Ullbrich

Mit dem Umzug der Albert-Gutzmann-Schule an die Schulstraße wird sich in Zukunft der Standort des Projekts verändern. Am neuen Standort in der Schulstraße entsteht unter anderem eine große Sporthalle, die auch für die Arbeit des Jugendclubs genutzt werden kann. „Mal sehen, wie der Umzug angenommen wird“, sagt Fastabend. Solche Veränderungen seien für Kinder und Jugendliche häufig zunächst nicht einfach. Gleichzeitig sieht sie gerade mit Blick auf die Wintermonate großes Potenzial für die Weiterarbeit in der neuen Halle. 

Die Erfahrungen aus dem Quartier werden inzwischen auch über den Wedding hinaus geteilt. Das Projekt wurde unter anderem bei einer Konferenz zum Frauenbasketball vorgestellt. Im Herbst soll eine Veranstaltung für Vereine und Mädchenzentren stattfinden, um die gewonnenen Erfahrungen auch auf andere Stadtteile übertragen zu können. Nach einem Jahr zeigt sich damit: Aus einzelnen Sportangeboten ist ein Netzwerk aus Einrichtungen, Sozialarbeit und Sport entstanden – und damit eine Grundlage dafür, dass mehr Mädchen ihren Platz im Sport finden können. Entscheidend ist, dauerhaft Zugänge zu schaffen, Vertrauen aufzubauen und Mädchen darin zu bestärken, sich Räume zu nehmen.

Text: Julia Six